FRAUEN IM WETTBEWERB

Konkurrenzlos existiert nicht. Wir müssen uns Zeit unseres Lebens damit auseinandersetzen, dass ein anderer Mensch besser, stärker, klüger und damit gefährlicher für uns sein könnte und ist. Damit wir uns jenseits des urzeitlichen und rückständigen Homo Sapiens bewegen, benötigt es schon subtilere Mittel der Durchsetzung eigener Kompetenzen gegen die Konkurrenz.

Wir Frauen haben uns da lange auf unser Aussehen berufen. Uns geschminkt, parfümiert, im Schale geschmissen und auf diese elegante, feminine, sexy Art gebärdet, die so mancher Mann sicher als reizvoll oder liebreizend bezeichnen würde. Die Betonung unserer Vorteile, wie es so schön heißt. Warum unsere Brüste in der einen Generation und unser Arsch in der nächsten abwechselnd zu Vor- oder Nachteil werden sollte, belegen Wissenschaftler seit Jahren in grotesken Studien, die Galileo dann zu einem Beitrag verwursten darf.

Aber Mal ehrlich, warum sind wir Frauen noch immer mehr Feind als Freundin untereinander? In einem Raum voller Frauen, checken sie sich gegenseitig ab, auf Kleidung, Proportionen, Gesicht und Gewicht. Die Männer im Raum sind erstmal zweitrangig, denn einen Mann zu gewinnen, steht proportional zur Attraktivität der Konkurrenz. Zu viele schöne Frauen im selben Raum: schwierig. Ist man die einzig vorzeigbare Dame (gefühlt und völlig subjektiv natürlich), braucht es wenig Aufwand. Frau ist dann einfach da.

Für Heteros verläuft dieses Spiel sehr einfach. Ob dies auch auf Homosexuelle zutrifft, würde ich nie behaupten.

Da sitzen sie also, haben sich auf Herz und Nieren überprüft und jetzt ist klar: wir sind uns zu ähnlich. Rein optisch gibt es kaum Unterscheidungen in den oberflächlichen Merkmalen die die angebliche Attraktivität ausmachen. Es braucht also deutlichere Kriterien, die uns abheben von der anderen.

Da wäre der Sinn für Humor. Männer mögen ironische Frauen, so der Stammtisch. Also wird sich mit klugen und schlagfertigen Antworten eingedeckt. Bildung, je nach Klientel, ist auch sehr interessant. Willst du viel, flirte mit Stil. Ein gewisses Maß Selbstbewusstsein, vielleicht hier und da die Hilflosigkeit eingeflochten, falls der Angebetete doch eher Macho als Fortschritttarier sein sollte und er voila, das Rezept steht.

Ach halt! So einfach ist es nicht sich gegen die Konkurrenz zu erheben. Was wir nämlich viel schlimmer finden, ist nicht die Tatsache, dass die andere uns den potentiellen Sexpartner ausspannen könnte, sondern uns die Kompetenz nimmt. Auf Arbeit, unter Freundinnen oder bei der Mutterschaft. Selbst online. Es wird sich umgesehen was die andere schreibt und denkt und jedes Fitzelchen auseinander genommen, so die olle Kuh es uns ermöglicht. Ihre Wertigkeit wird in Likes bemessen und unsere Wut steigt, wenn sie nicht unserer Wertigkeit entspricht.

Was nützt all das konkurrieren, wenn es uns am Ende allen gleich geht? Wir Frauen haben den Makel des offensichtlichen Verfalls. Wir werden daran bemessen wie schön wir sind, nicht wie klug. Unser Liebreiz speist sich leider viel zu oft noch aus der Optik und dem dazu passenden Verhalten. Eine freche junge Göre mag sogar noch Interesse wecken, je älter umso peinlicher wird es angeblich.

Wofür also der Kampf? Wofür dieses auferlegte Gegeneinander? Wäre es nicht sinnvoll sich auf Augenhöhe zu betrachten, statt dem Mann die Genugtuung zu überlassen, wir wüssten immer noch nicht um unseren Wert? Wir sind nicht erst dann wertvoll, wenn die Konkurrenz hinter uns herblickt. Wir sind nicht erst dann jemand, wenn eine andere zum Niemand wurde.

Konkurrenz sollte nur Geschäfte beleben. Du atmest, also lebst du. Mehr Bestätigung sollte es nicht brauchen.

Ein Kommentar zu „FRAUEN IM WETTBEWERB

  1. Wahre Worte!
    Allerdings ist es schwer etwas an dieser Situation zu verändern. Ein Umdenken in den Köpfen muss statt finden.
    Aber fängt das nicht schon bei der Erziehung von Mädchen an? Wenn wir Mädchen immer wieder dafür loben wie hübsch sie sind, dann werden sie doch auch als Erwachsene einen Fokus auf ihr Aussehen legen, oder?
    Fleiß ist eine Eigenschaft die den Mädchen nachgesagt wird, nicht Klugheit oder Intelligenz, das finde ich genau so bedenklich wie Jungen in eine stereotipische Schublade zu stecken.
    Ich bin mir bewusst das es eine Funktion des Gehirns ist, in „Schubladen“ zu denken, um sich vor zu vielen Eindrücken zu schützen. Es vereinfacht dem Gehirn die „Datenverarbeitung“.
    Ich denke wir sollten uns bemühen, im Umgang mit Menschen und vor allem wenn wir beruflich mit Menschen zu tun haben, diese Schutzfunktion nicht als dauerhaften „Filter“ einzusetzten. Wir Menschen sind alle Individuen und so sollten wir uns auch gegenseitig behandeln.
    Liebe Grüße von Mrs. Pünktchen

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