TEXT FOR THE LOVERS

Früher dachte ich, die wahre Liebe sei etwas, was mir zufliegen würde. Mich eiskalt erwischt und mir zeigt, wir zwei sind es jetzt, vielleicht für den Rest unseres Lebens.

Diese Einstellung war sicher meiner jugendlichen Naivität und vieler Disneyfilme geschuldet.

Die Wahrheit ist, Liebe ist harte Arbeit. Wir finden und werden gefunden, manchmal suchen wir krampfhaft und nur wenige Menschen wenden sich ihr gar nicht erst zu.

Wer lieben möchte und eine Beziehung eingeht, verlässt jedoch die Komfortzone, begibt sich auf eine Reise die bei guter Vorbereitung und einer großen Portion Flexibilität niemals enden muss.

Sind wir ehrlich. Menschen sind nicht zu Glückspilzen geboren. Wir greifen aus den unterschiedlichsten Gründen völlig daneben. Manchmal sind wir negativ geprägt, durch die ersten Vorbilder, unsere Eltern. Vielleicht sind wir noch zu jung, um zu begreifen. Wollen uns ausprobieren. Halten uns lange für den Nabel der Welt. Vielleicht sind wir nicht in der Lage zu erkennen, dass hier zwei Individuen aufeinander treffen, die sich wohlmöglich im ersten Augenblick angezogen und im nächsten nichts mehr zu sagen haben. Vermutlich denken wir viel zu oft in Ich-Form, obwohl wir Wir-Sätze bilden, aber die Realität zeigt wie schwer es uns fällt einander Raum für Entwicklung, Entfaltung und Erkenntnis zu geben.

Wir müssen mit der Sorge leben können, verlassen zu werden. Wir sollten optimistisch bleiben, denn daraus speist sich dieses Gefühl der Ewigkeit. Wir sollten nicht in Kategorien denken. Was für unsere Beziehung gilt, muss nicht für die unserer Freunde gelten. Wir sollten uns nicht einreden, der andere müsse eins zu eins passen. Viele arrangierte Ehen funktionieren deshalb, weil beide Partner sich erst lernten zu mögen, zu kennen, wohlmöglich zu lieben. Vertrauen ist wichtig, muss aber erarbeitet werden. Einander sein zu lassen wie man ist, ohne die Freiheit des anderen mit Füßen zu treten.

Entwicklungen zuzulassen, auch wenn man sich eventuell auseinander leben wird. Die Beziehung nachwachsen zu lassen, in der Idee jede Veränderung positiv aufzugreifen, so man einander wichtig genug ist es zu versuchen.

Sich nicht zu ärgern, wenn das erste Feuer weg ist, sondern die Wärme der Nähe schätzen zu lernen. So nahe wie sich vertraute Paare sind, sind Frischverliebte niemals.

Jede Phase der Beziehung als Bindemittel zu begreifen. Schlechte wie gute Zeiten. Es gibt keine Fehler, aus denen man nicht lernen kann. Abzuwägen, ob der andere oder man selbst es wert bleibt zu bleiben und sich dann gemeinsam wieder neuzujustieren.

Einander nicht weh zu tun, ohne den Schmerz nachzufühlen. Zu erkennen, wann man zu weit geht und wo die eigenen und die Grenzen der anderen Person liegen. Grenzen gemeinsam brechen, so die Kommunikation es zulässt. Überhaupt, immer reden! Sich streiten, aber sich viel lieber versöhnen. Sich erklären wie es zu einem Konflikt kam und bereit sein daran kontinuierlich zu arbeiten.

Anderen nicht den Vorzug geben. Auf Augenhöhe bleiben, für eine gemeinsame Zukunft. Sich zeigen wie wichtig einem die Entwicklung miteinander ist, auch wenn es ohne den anderen auch ein glückliches Leben gebe. Loyal zu bleiben, auch wenn nicht jeder Moment ein Volltreffer war. Sich einfach stützen, selbst wenn’s nicht immer leicht fällt.

Etwas annehmen, etwas geben. Etwas füreinander sein. Sich nicht vergessen. Nicht sich selbst. Nicht den anderen.

Es gibt keine leichte Liebe. Es gibt diese Verliebtheit, in der uns alles so einfach erscheint. Es gibt diese erschöpfende Zeit, in der wir versuchen unsere Autonomie zu bewahren und den anderen nicht wiedererkennen zu glauben. Es ist möglich all das zu überwinden und dort immer wieder zu landen. Sich darüber im Klaren zu bleiben, macht dieses Lieben so spannend. So einmalig. So wichtig.

Liebe ist kein Geschenk. Niemand schenkt dir etwas. Du hast Liebe gewünscht und wohlmöglich bekommen. Du gibst Liebe, manchmal freimütig und manchmal sehr scheu.

Du kannst Liebe nicht erklären, aber wenn es soweit ist, weißt du es.

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