DIE ÜBERWINDUNG DES EGOS

Rache, Niedertracht, Aggressionen. Diese und viele Minderwertigkeiten üben wir Menschen gerne dann aus, wenn jemand uns in unserer Ehre gepackt hat oder wir Handlungen an uns so interpretiert haben. Es reichen kleine Aussagen, uns Sturm laufen zu lassen. Bisweilen gibt es sogar (und gar nicht mal so wenige) Menschen, die fühlen sich auch stellvertretend für oder durch andere verletzt und gedemütigt, gehen dann also in die Offensive, wo etwas mehr Reflexion bereits erste Wogen geglättet hätte.

Aber woher stammt dieses Gefühl? Denn etwas anderes als ein Gefühl ist es nicht. Wir sind mit etwa 95 Prozent aller Gedanken emotional dabei, bevor der Verstand sie umwandeln kann. Die übrigen 5 Prozent werfen wir in den Ring, wenn sich etwas wirklich sehr klar oder ggf. als unumstößlich nüchtern betrachten.

Wie auch immer. Woher die Wut?

Angst. Die Urangst des Menschen nicht geliebt oder geachtet zu werden, lässt sehr viel leichter Emotionen hochkochen. Wer sich unbewusst in seine Kindheit zurückversetzt sieht, in der vielleicht ein Mangel an Aufmerksamkeit, Liebe oder Autonomie herrschte, geht im Erwachsenenalter schneller an die Decke. Es fehlt der Zugang zu sich selbst und damit auch zu anderen.

Wer einen Mangel spürt, möchte diesen ausgleichen. Wir belassen es nur selten dabei. Wir streben danach, eine Verbesserung zu erzielen. Dafür benötigen wir sowas wie einen wertschöpfenden Zustand. Unser Job kann uns Werte vermitteln oder den Eindruck machen, wir seien wertvolle Mitglieder der Gesellschaft. Unser/e PartnerIn ebenfalls. Der Status unseres Familienlebens: Single oder verheiratet, geschieden oder getrennt usw. Wir können eine Wertigkeit aus unseren Kindern gewinnen. Je besser sie sich positionieren, umso mehr Achtung fällt auf uns zurück.

Sind wir dann aber wirklich satt und zufrieden? Nein. Es gilt unsere Werte zu verteidigen. Wenn es sein muss, bis auf’s Blut.

Da wird jede Kritik eben als Angriff gesehen und jede Störung in aller Deutlichkeit unterbunden. Wer Angst hat etwas Selbstaufgebautes zu verlieren, wird dafür kämpfen. Der Kampf lohnt sich hier, denn etwas wofür man gearbeitet hat, hat ja auch einen hohen ideellen Wert.

So fühlen wir uns also endlich wertgeschätzt und wohl. Aber Achtung! Wirklich vertrauen können wir nicht. In erster Linie nicht in uns. Denn das wurde uns nicht mitgegeben.

Wir waren als Kind vielleicht immer abhängig von den Erwachsenen, haben nach ihren Regeln gelebt und verlernt uns zu vertrauen. Vermutlich haben sie uns das Gefühl gegeben, wir seien ohne sie nicht viel Wert. Auf ihrer Anerkennung beruhte unsere Freude und Lebenslust.

Ohne es zu ahnen, sind viele von uns davon noch heute abhängig. Nur erweitern wir unseren Kreis. Es sind nicht ausschließlich die Eltern, sondern auch die Freunde, PartnerInnen, Kollegen und Chefinnen. Es sind unsere Kinder und alten Dämonen. Wir brauchen ihre Liebe und Zuwendung.

Wenn wir diese nicht so erfahren, wie wir sie uns aber wünschen, führt dieser gefühlte Mangel zu einem Problem. Dies gilt es also zu lösen.

Je nachdem wie wir gestrickt sind, vielleicht über Jahre durch Unterdrückung. Erstmal uns selbst, die Gefühle der Angst und Verzweiflung sollen weg. Später bei anderen. Wir kreisen und die Muster der Kindheit und geben sie weiter an die eigenen Kinder. Eventuell sind wir aber auch gleich sehr aggressiv. Man könnte sagen, hier werden die Gefühle wenigstens nicht unterdrückt. Gut für uns? Eventuell. Je nachdem wie stark die Aggressionen sind. Anderen Schäden zuzufügen, sollte durch innere Grenzen ausgeschlossen werden. Wird aber viel zu selten. Es sind nicht einmal die körperlichen Schäden, nein. Wir graben anderen das Wasser ab, werden gemein, diskriminieren, schließen aus und demonstrieren eine eigentlich nicht vorhandene Macht und Stärke.

Sind wir dadurch glücklicher?

Nicht im geringsten. Wir laufen sogar Gefahr weitere Generationen gleichen Unglücks zu schaffen. Wütende, ängstliche Menschen wie uns.

Es gibt nur einen Weg im Erwachsenenalter das Ruder herumzureißen und der muss lauten:

Selbsterkenntnis.

Sich zu entlarven und mit sich ins Gericht zu gehen. Sich zu verzeihen, den Eltern, der Kindheit. Sich Raum zu geben endlich zu wachsen. Sich einen Wert zuzuschreiben, unabhängig von getanen Leistungen. Mit der Geburt sind wir. Wir sind also wer.

Es ist schwer sich aus Mustern zu befreien, aber die Erleichterung darüber setzt schneller ein, als die Jahre der eigenen Unterdrückung es vermuten lassen.

Sich und anderen etwas zu vergeben, löst sofort Blockaden.

Weiteren Generationen Liebe und Anerkennung mitzugeben, erfüllt das eigene Herz stärker, als Anerkennung anzunehmen.

Sich nicht mehr nur zu spüren, durch das Leid, die Rache und Wut an anderen, ist essentiell, um wieder am Leben teilzunehmen.

Unser Ego braucht keine Anerkennung mehr von Außen. Das Außen sind wir. Wir sind die Gesellschaft. Wir sind die Gegenwart. Wir schaffen die Zukunft.

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