TELLERDEBATTEN

Es ist Mal wieder die berühmte Sau durchs Dorf getrieben worden. Oder anders, es soll keine Sau mehr über den Teller getrieben werden. Funktioniert dieses Wortspiel? Na ja. Funktioniert die Idee deutscher Kitas? Nicht, wenn es nach dem deutschen Gourmet geht. Der sieht seine Kinder aus irgendwelchen Gründen benachteiligt. Zumindest benachteiligter, als muslimische Kinder, vegane oder vegetarische Familien und Angestellte oder das Tier an sich.

Ich lebte selbst ein Jahr vegan, davor und danach ein paar Jahre vegetarisch. Da ist nichts dabei. Wer sich dafür entscheidet auf Tier oder tierische Produkte zu verzichten, kann seinem Körper einen Bärendienst erweisen oder auch nicht. Siehe Dirk Bach. Eine vegane Ernährung ist weder der Heilige Gral, noch ein Lifestyle, zumindest wenn es nach mir ginge.

Ich selbst habe Jahre lang auf Fleisch verzichtet, weil ich nierenkrank bin und zuviel Eiweiß eine zusätzliche Belastung darstellten. Mein Arzt riet mir zu einer gesunden und fleischarmen Kost und aus Bequemlichkeit verzichtet ich schließlich ganz. Wenn konsequent, dann richtig.

Als ich schwanger wurde, zerschossen mir meine Hormone diese Einstellung aber ebenso konsequent. Dreißig Kilo später, sah ich aus wie Buddha (der dicke, nicht der fitte) und hatte hart zu kämpfen. Eier und Fleisch waren jedoch meine Lieblinge unter der Gelüsten und die Nieren dankten es mir mit Wassereinlagerungen wo sie nur konnten. Selbst meine Nase bekam was ab.

Nun gut, mein Körper und meine Entscheidung. Aber können wir die Entscheidung unseren Kindern ebenfalls abnehmen? Jein.

Ich zog meine Kinder als „Fleischesser“ auf. Zu Hause gab es kein Fleisch und keine Wurst, in der Kita ließ ich sie gewähren. Es gab nie Diskussionen am Tisch und meine Offenheit bezüglich ihres Speiseplans hat weder etwas für sie getan, noch etwas gegen. Ein Kind isst wie ein Spatz und ein Kind isst am liebsten den ganzen Tag Süßes. Ich kann nur staunen wie unterschiedlich wir Menschen sind. Selbst vom selben Blute.

Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt schlecht vegan zu kochen, gerne vegatarisch zu essen und ab und an Fleisch auf den Teller zu bringen. Die Nieren finden es gut, die Umwelt sicher auch. Denn da liegt eigentlich die größte Gewissensfrage:

Können wir Fleisch zu Billigpreisen konsumieren, während anderswo gehungert wird? Ist es okay Fisch zu essen, obwohl wir wissentlich die Meere um ihren Bestand bringen und ganze Völker um ihre Nahrungsgrundlage? Ist es okay, Tiere am Fließband „herzustellen“? Und das ist nichts anderes. Geboren in einer Fabrik und nach kurzer Zeit in selbiger geschlachtet. Gilt aber nicht alleine für das Schwein.

Es sollte allen klar sein, dass das liebe Tier ein qualvolles Leben für uns führt und unter miesen Bedingungen für uns stirbt. Manchmal landet es danach nicht einmal auf dem Teller, sondern im Müll. Männliche Küken, weibliche Rinder die genug Milch gaben usw. Alles was unbrauchbar ist, abgelaufen und ungekauft, geht nicht an die Tafeln, sondern geradewegs in die Tonne. Wir produzieren über Bedarf und das natürlich nicht ausschließlich an Tier. Gilt nämlich auch für so chique Waren wie Quinoa oder die Banane.

Wer sich ernsthaft mit der Herstellung, den Bedingungen usw. unserer Lebensmittel beschäftigt, dem vergeht der Appetit. Unter schlechten Bedingungen wird gearbeitet, es werden Lebensmittel geraubt, wo ganze Familien auf Dörfern in Asien und Afrika später drunter leiden. Es sterben uns die Insekten und Vögel weg, Monokulturen zieren ganze Landstriche und wir alle sitzen da und ärgern uns über ein paar Kitas die es anders machen wollen. Vielleicht aus religiösen Gründen oder aus Bewusstsein für Mensch, Tier und Natur.

Ich denke, wenn wir uns öfter fragen was da im Supermarkt an der Ecke wie hergestellt und verkauft wird, kämen wir auf eine kurze Liste zu verzehrender Lebensmittel. Wir würden auch aufhören Kleidung zu kaufen, zumindest die aus handelsüblichen Geschäften. Wir würden aufhören Auto zu fahren. Aufhören zu fliegen, zu reisen, zu rauben.

Der Mensch ist ein Raubtier. Das gefährlichste von allen.

Mit diesem Bewusstsein, ist es doch ein Unding, dass wir immernoch denken jemand, zum Beispiel eine Kita-Küche, sei uns und unseren Kindern das Stück Billigfleisch schuldig.

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