SINGLE

Ich war nie sehr lange Single. Dafür habe ich mich zum einen zu gerne unter Leute begeben und zum anderen sehr rasch verliebt. Eine alte Liebe überwinde ich in Kürze am besten, wenn ich nach der Trennung Zeit für mich alleine einräume (keine Treffen mit Freundinnen, um sich abzulenken!) und dann nach einem Monat wieder vorsichtig meinen Marktwert teste.

Ein netter Flirt hier und eine Grillparty bei Freunden da -zack- das Ego lässt sich so leicht streicheln.

Zugegeben, mit zunehmendem Alter und zwei Kindern war es nicht ganz leicht den Singlestatus umzuwandeln. Nicht das andere nicht gewollt hätten, aber es gab abzuwägen wer sich nicht nur gut in meinem, sondern auch im Leben meiner Kids machen würde.

Single in Berlin zu sein, hat Vorteile, die gleichzeitig Nachteile werden könnten. So ist die Auswahl riesig, aber die Nachfrage an genau dir eben oft begrenzt. Ersatz findet sich einfacher als auf dem Dorf oder in der Kleinstadt. Wem du nicht passt, der macht sich vom Acker. Umgekehrt aber auch leichter möglich einfach das Date sausen zu lassen oder noch etwas länger auf den passenden Gegenpart zu warten.

Ein weiterer Vorteil: die Möglichkeiten sich ein schönes Treffen zu bereiten. Von einer Tasse Kaffee, über eine Ausstellung, Erlebnisausflug oder Abenteuer im Club. Es gibt nichts was es nicht geben könnte. Diese Möglichkeiten schaffen den Raum den es braucht sich seinen tatsächlichen Wünschen bewusst zu werden. Bin ich gesellig? Bin ich sportlich? Habe ich Lust auf etwas unbekanntes, neben dem Date natürlich oder ist mir einfach nach unverstelltem Kennenlernen.

Schon bei der Auswahl des Ortes und der Zeit zeigen sich Übereinstimmung oder Ablehnung. Wer sich verbiegen muss oder möchte, wird sicher schneller enttäuscht. Wer sich als Vollidiot entpuppt, geht in der Masse des Angebots bald unter. Ferner liefen eben. Da gibt es einfach zu viele andere Willige. Und das ist auch gut so. Verzweifelte, Idealisten, große Poeten. Sie alle haben die Möglichkeit jemandem zu begegnen. Sie alle leben den gleichen Schmerz, wenn aus einer zuversichtlichen Idee die schonungslose Wahrheit wird.

Als ich Single war…und das war ich schon öfter…gab es mich, all meine Bedenken und all meine Bedürfnisse. Wünsche gestapelt bis unters Dach. Ich malte mir Erfolgsgeschichten aus und fand positive Beispiele im Freundeskreis. Immer und immer wieder träumte ich davon nicht alleine zu bleiben. Gemeinsam alt werden. Gemeinsam die Kinder aufwachsen zu sehen. Gemeinsam einzuschlafen und gemeinsamer Austausch am Ende des Tages. Wer mir vor die Flinte kam, war mir da so manches Mal tatsächlich fast egal. Dem Ideal mussten sie möglichst nahe kommen und wenn ich oder sie Pech hatten, überhäufte ich uns mit Erwartungen. All meine Hoffnung ruhte dann auf dem anderen. Je häufiger ich aber datete, umso leichter fiel es mir die Spreu vom Weizen zu trennen.

Sicherlich, nicht jedes inkompatible Date war auch ein schlechtes. Manchmal sollte es nicht passen. Sich davon zu verabschieden jedem die Schuld an einer verpassten Chance zu geben, war Schritt eins meines Weges.

Danach zu realisieren, dass der andere jetzt erstmal die Projektion all meiner Wünsche sei, ja alles was ich in mir sehe, war der nächste.

Wenn ich mich auf das Kennenlernen konzentrierte, also das Date erstmal nahm wie es kam und den anderen auch, kam es mir weniger befremdlich vor, wenn ich mich am anderen später stieß. Auch heute noch, ist die Beziehungspflege das A und O um überhaupt eine Bindung eingehen zu können.

Als Single habe ich viele Fehler gemacht und anderen ihre Fehler vorgeworfen. Manchmal war ich dann im Gegenzug zu nachgiebig mit Menschen die einfach durch und durch blöde waren. Ich habe mir online plumpe Sprüche angehört und dachte auch in einer Beziehung es sei ja okay, wenn der andere mich klein hält oder mir ein schlechtes Gewissen machen will.

So gehe ich nicht mehr ran. Sich einzugestehen, dass ich nicht gerne Single bin. Nicht gerne alleine. Nicht gerne alles was ich erlebe ungeteilt erfahre, war meine Erkenntnis aus dem Singleleben. Meine Erkenntnis aus einem Leben als Teil einer Partnerschaft. Einen Partner zu haben, bedeutet für mich, nicht nur Freundschaft zu erfahren, die über drei Treffen im Monat hinausgeht, sondern sich für eine andere Person stark zu machen und von dieser sehr loyal hochgehalten zu werden.

Single zu sein, hat mich nicht glücklich gemacht. Es fehlte mir etwas. Da war der Sand im Getriebe. Es war aber auch kein Beinbruch und funktionierte für mich, weil es funktionieren musste.

Single zu sein, ist wie geboren werden und über Jahre keinen Partner zu haben. Es ist okay. Man sucht sich etwas oder jemand anderen. Freunde zum Beispiel oder Familie.

Zu lieben war mir ein Bedürfnis. Geliebt zu werden.

Ich bin in Berlin gerne Single, weil ich weiß es folgt eine Beziehung.

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