HÄSSLICH VON INNEN

Nicht wenige Menschen fühlen sich allumfassend fehlerlos, reflektiert, missverstanden.

Auch ich bin manchmal dem Irrglauben aufgesessen, mit einem Gerechtigkeitssinn gesegnet worden zu sein, der jeder Kritik standhalten kann.

Nein, muss ich dann anerkennen, du bist voller Fehler, deine Vergangenheit war ein ständiges Auf und Ab der Verletzungen, Dummheiten und Schamlosigkeit. Manchmal habe ich Freunden weh getan, sicherlich meiner Familie auch Unrecht oder die Dämonen meiner Vergangenheit mir selbst, was zu einer Spirale aus Selbsthass, resultierend aus Selbstzweifeln, führte.

Da war so viel Wut und Hilflosigkeit in mir, weshalb ich in manchen Momenten dachte, nur mir alleine stünde endlich Glück, Liebe und Anerkennung zu.

Darüber vergaß ich menschlich zu bleiben, selbst in Situationen die sich für mich ungerecht anfühlten.

In Wut sagte ich Dinge, die ich später bereute. Tat so manches, wofür ich mich heute schäme. Verletzte und gebar mich, als sei es mein gutes Recht an allen Rache zu üben, die mir, sei es auch nur für einen Augenblick, im Weg standen.

Letztlich bin ich dieser Person entwachsen. Viele Jahre Therapie, viel Kraft und Willen forderte es, um zu erkennen, wer ich bin und was ich nicht sein möchte. Es ist ein lebenslanger Prozess und nie getan. Es gibt so vieles woran man kontinuierlich arbeiten muss und sollte. Seinen Kompass immer wieder neu setzen. Sich nicht mit dem zufrieden geben, was man aktuell denkt zu leisten, zu sein, zu fordern.

Es geht darum, mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Die Vergangenheit ruhen zu lassen, nachdem man den Schritt der Aufarbeitung geschafft hat. Sich zu fragen, ob die Geschichte sich wiederholen muss, durch eigene Hand?

Wer früher geschlagen wurde, neigt dazu später selbst zu schlagen. Ganze Statistiken sprechen von dieser Entwicklung. Wer arm geboren ist, wird wohl immer arm bleiben. Wer die Wut seiner Vorfahren mit der Milch in sich aufgenommen hat, speist daraus seine Identität.

So möchte ich aber gar nicht sein. So verloren und hässlich von innen. Dieser Hass ist nicht mein Antrieb. Meine Motivation jeden Tag aufzustehen. Mein Lebenssinn.

Aus Hass wird niemals etwas erwachsen. Es wird nur zerstört. Beginnend bei den eigenen Gefühlen, zu denen anderer, über die eigene bishin zur nächsten Generation.

Menschen die sich selbst unkritisch beäugen, an sich vorbeiblinzeln, sich einfach nicht erkennen können, tun mir leid. Sie haben nicht gelernt sich zu spüren, sich mit sich auseinander zu setzen. Wem das fremd ist, der wird sich erst Recht nicht mit anderen auseinander setzen können. Da fehlt der Zugang. Da fehlt das Verständnis.

Wenn ich Empathie fordere, ohne zu wissen was Empathie bedeutet, bin ich nicht empathisch. Ich bin eine Ertrinkende auf der Suche nach jemandem der mich oben hält. Ich ziehe alle mit mir in die Tiefe, die sich mitziehen lassen, weil ihnen die Kraft fehlt mir zu helfen. Dabei muss ich lernen selbst zu schwimmen.

Menschen die andere blossstellen, sich an ihnen aufreiben und sich wundern wieso diese Welt ist wie sie ist, in all ihrer Abscheu, in all ihrem Hass, brauchen sich bloß umzusehen.

Wann hast du zuletzt jemandem geschadet? Wann hast du zuletzt deine Dämonen sichtbar gemacht, statt sie zu besiegen?

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