DER NEID DER BESITZLOSEN

Jeder von uns ist in seinem Leben neidisch. Manchmal auf Freunde oder PartnerInnen, auch auf Kolleginnen oder Geschwister. Da bildet niemand die Ausnahme. Gewisser Neid, wenn auf liebevolle und anerkennende Weise ausgesprochen, kann auch nützlich sein. Lässt uns wachsen. Gibt dem anderen eine Bestätigung, ohne dafür etwas zurückzubekommen.

Es ist allerdings ein fragwürdiges Unterfangen, unterdrückte Gefühle, lange Entbehrungen und eine ungünstige Sternenkonstellation in Form von Aggressionen und Wut am anderen abzuladen. Natürlich führt Neid in einigen Ländern zu Kriegen. Neid schafft Blockaden und baut Missgunst auf, statt Vorurteile ab. Wer neidisch ist und sich an anderen abarbeitet, füllt Herzen und Gedanken zwangsläufig immer mit Negativem an. Alles wird schwer und dunkel. Alles wird traurig und macht das Neidhammel genauso krank, wie den der unter dem Neidausbruch zu leiden hat.

Da gibt es unterschiedliche Formen von Neid und Neidern. In der Regel geht es online derber zu, als im direkten Feedback. Niemand würde dem Kollegen direkt ins Gesicht sagen wie verärgert man ist, wenn das ganze Gefühl auf so etwas Subjektivem wie Neid beruhe.

Online lässt es sich aber so schön stänkern.

Da werden Beleidigungen zum guten…eher schlechten Ton. Es wird leicht dahingetippt, was man im realen Leben nicht einmal in den Mund nehmen würde. Hier darf sich am anderen abgearbeitet werden, weil der andere nicht vor einem sitzt, mit all seinen Gefühlen und Reaktionen.

Hat schon einmal jemand ein Herz brechen sehen?

Menschen die andere beleidigen, mit Boshaftigkeit abstrafen wollen oder ihnen Schaden zufügen, aus welchen kleingeistigen Gründen auch immer, sehen online den Schmerz nicht, den sie auslösen können.

Sie sehen nicht, wie der andere sich an die Brust fasst. Das Herz unter seiner Hand geschützt. Sie sehen nicht, wie sich die Stirn in Falten legt. Wie der Puls sich beschleunigt, die Füße wippen.

Jemand der durch Neid hervorgerufene Wut in sich aufsteigen lässt, reagiert bisweilen falsch. Online ist die Lösung Geschwindigkeit. Etwas gegen die ständig wechselnden Posts, Trends und Meinungen anzuschreiben, bevor es unter einem Wust weiterer Neuigkeiten verschwindet. Dazu braucht man schnelle Finger und eine spitze Zunge. Zu überlegen, bevor man loslegt, ist nicht. Dies könnte wertvolle Klicks und Kommentare kosten.

Im wirklichen Leben würden wir uns so manchen Streit sparen, wenn wir nochmal eine Nacht darüber schliefen. Wir würden durchatmen. Uns mit Freundinnen unterhalten und ggf. abstimmen. Braucht der andere eine Lektion oder bin ich es, die hier gerade dazulernt?

So schaut man sich dreimal um, bevor man auf offener Straße, im Büro oder vor Kindern etwas Dummes sagt oder tut. Online sind einem die ZuschauerInnen gerade recht. Da buhlt man um die Aufmerksamkeit aller. Sollen doch alle sehen was ich dem anderen da jetzt ins Gesicht spucke. Online ist die Hemmschwelle klein, weil das Individuum am anderen Ende der Verbindung gesichtslos bleibt. Zumindest unabhängig des kleinen Profilbilds.

Selbst wer online angibt eine liebende Mutter oder eine preisgekrönte Person von öffentlichem Interesse zu sein, wird reduziert auf das was sichtbar ist: ein paar Zahlen und Daten, die für den Algorithmus wichtig waren, aber rein gar nichts über den anderen aussagen.

So sitzt man also da, zerfressen vom Neid, dem Hass auf die Welt und spiegelt diesen auf den anderen. Den der gerade in die Schusslinie geriegt.

So wird auf eine scheinbar dumme Aussage nicht mit Kritik, sondern Hohn, Spott und Melodramatik reagiert. Beleidigungen Dritter werden billigend in Kauf genommen, das Schaffort auf den Dorfplatz geschoben und alle versammeln sich um das erwählte Opfer. Die Person von Interesse. Den Auslöser.

Es darf dann jeder Mal einen Stein werfen und da wo wir auf offener Straße spätestens jetzt sehen würden wie der andere verblutet, sich menschlich und verletzlich zeigt, verlieren wir unsere Menschlichkeit. Geben sie ab, beim Öffnen der App.

Es ist ein Trauerspiel und eine Dreistigkeit. Es ist hinterrücks und rückständig. Sich beklagen und gleichzeitig klagenden bleiben.

Menschen die anderen Menschen offenen Auges Schäden zufügen wollen, weil etwas ganz anderes in ihnen wühlt, haben eine Macht die es gilt immer und immer wieder zu entreißen. Durch Umstehende. Durch die, klaren Verstandes.

Wer sie sieht und erkennt, möge es ihnen zeigen und sagen. Möge sie nicht füttern mit Macht. Möge die Opfer schützen und den Tätern Hilfe anbieten. Möge reflektieren und sich niemals anstecken lassen, vom Neid der anderen.

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