DEINE WÜRDELOSIGKEIT

Schon vor fünfundzwanzig Jahren sahen wir in der Werbung Männer an einem Tisch wetteifern, wer die größten Statussymbole aufweisen kann. Mein Auto, meine Yacht, mein Haus, mein Job usw.

Was damals humoristisches Quartett sein sollte, entsprach einer nicht zu verleumdeten Tatsache: Menschen definieren sich über Symbole.

Männer vermutlich eher über selbstfinanzierte Güter und Waren, Frauen über emotionsbesetzte Errungenschaften und Leistungen.

Da gibt es diese Mütter, die meinen aller Weltschmerz läge auf ihren Schultern. Um sich nicht schneller enttarnt zu haben, als ein Mitleidsaufruf abgesetzt, wird unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit gearbeitet. Im Grunde geht es hier doch aber eher um ein Kartendeckauflegen.

Meine Kinder, deren zusätzliche Mitbringsel, meine Leistungen als Frau/Mutter/Geliebte/Berufstätige uvm.

Da wird dann das Kind als Ware gehandelt.

Was kann es? Was kann es vielleicht ganz und gar nicht? Hat es etwas, was mir das Muttersein noch deutlicher erschwert (Pubertät, eine Beeinträchtigung, Entwicklungsverzögerung etc.)? Ist es in einer Sportart besser als andere? Wie fällt die Bilanz der anderen bezugnehmend auf mein Kind aus?

Dann wird die eigene Bilanz gezogen.

Was habe ich für einen Anteil geleistet? Wie stark bin ich bei der Ausübung der Erziehung? Bin ich dabei alleine? Bin ich in dieser Rolle dennoch Frau geblieben?

Gewonnen hat, wer die meisten Übereinstimmungen hat. Ein kluges, aber gestraftes Kind wäre dabei perfekt. Eines, welches der Gesellschaft nicht auf den Wecker geht, aber auf Hilfe angewiesen bleibt, die die Mutter trotz erschöpfender Fürsorge einfach niemals alleine aufbringen kann, daran quasi zerbricht, aber andere eben auch nicht sie sind. Die Göttin. Die Märtyrerin.

Während Männer also darum wetteifern das neueste technische Gerät im Schrank stauben zu sehen, ihre Sportschuhe hochwertiger sind als ihr Haarschnitt und sie den letzten Urlaub in den Staaten oder auf irgendeinem Subkontinent verbracht haben, sind Mütter da anders.

Sie wissen teilweise um ihre beschränkten Möglichkeiten. Wenig Geld, also keine großen Sprünge. Keine Reisen, keine teuren Sachen, kein großes Anwesen und niemand der sich tatsächlich für das kleine Bisschen Haushalt, Einkäufe, Arbeit und Kinderpflege interessieren würde. Würde man es nicht interessant verkaufen.

Indem man seine Belastung doppelt so groß macht. Indem man aus jeder Begebenheit ein Erlebnis zaubert. Indem man sich abmüht, die Anerkennung zu bekommen, die diese Lebensleistung benötigt.

Natürlich ist es dabei wichtig sich selbst und all seine Schilderungen ernst zu nehmen. Nie nach unten vergleichen, immer nur nach oben. Wer mehr hat, ist der Feind. Wer weniger hat im Grunde auch, kann aber ins selbe Boot geholt werden.

Es geht darum sich selbst so gut es geht zu verkaufen. Aufzuwerten, indem man sich und sein Kind abwertet. Was das Kind davon hält, ist zweitrangig. Statt sich selbst einfach zu spüren, ein Leben zu leben, ohne aus jeder Ecke Anerkennung zu erfahren, nicht jeden Kampf zu kämpfen oder zu provozieren, wäre allen geholfen.

Es geht nicht darum etwas tatsächlich zu verändern. Es geht darum sich zu Lebzeiten wichtig zu fühlen.

Wer etwas ändern wollte, könnte das auf so viel bessere Art. Hilfsprojekte unterstützen zum Beispiel. Andere Leute supporten, statt nur sich in den Fokus zu rücken. Die Zeit die es kostet sich im Selbstmitleid zu suhlen, zu verwenden um anderen zu helfen. Hilf anderen und du hilfst dir selbst. Nicht für jemanden dem du anschließend deine Karten zeigst. Für jemanden der sich nicht für deine Karten interessiert.

Du bist. Also besitzt du Würde. Niemand kann sie dir absprechen, mit dem Tag deiner Geburt. Es ist unnötig sich immer und immer wieder von anderen definieren zu lassen.

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