DIE GROSSE ENTTÄUSCHUNG

Es ist nicht neu, dass Medien bestimmten Einfluss auf das Bild eines Menschen, insbesondere das Bild der Frau, bilden, prägen und verzerren.

So gab es Photoshop bereits vor fünfzehn Jahren, in welcher Form auch immer und wie man ein Zeitschriftenmodell entsprechend ausleuchten und schminken muss, war bereits Jahrzehnte vorher bekannt. Models wurden genötigt ihren sowieso makellosen Körper vor Shows und Jobs zu trimmen und kleine Fehler kaschierte man eben entsprechend der Mode: Beine dünner oder Busen größer usw. Hier Push-Ups und da vielleicht Make-up.

Seit einigen Jahren ist es aber auch an der Otto-Normal-Frau, sich bereits in jüngsten Jahren mit Filtern und unter Zuhilfenahme diverser Technologie virtuell unters Messer zu legen. Kein Bild kommt mehr ohne Anpassung aus. Früher war es Spielerei, heute Kult. Wer sich nicht in der Masse unwohl oder gar unwirksam fühlen möchte, braucht etwas Nachhilfe.

Natürlich gibt es auch sogenannte Beautyeingriffe, die Lippen und Pobacken voller aussehen lassen, aber die sind für den Geldbeutel eben doch nicht immer erschwinglich. Eine App hingegen, gibt es schon kostenlos im AppStore. Da darf dann von der Haarfarbe, über die Größe der Nase, des Kinns oder der Lippen alles im Gesicht bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet werden. Wenn der Körper ebenfalls nicht den gängigen idealen entspricht, passt man diesen gleich mit an. Aus normalen Beinen, werden dann eher seltene Exemplare. Keine Dellen, keine Bessenreißer oder Haare. Wer blass ist und sich lieber braun mag, drückt die Knöpfe entsprechend. Wer gerne eine schmale Taille und dünne Arme hätte, schiebt den Regler. Und so sieht es das System dann auch vor: regel selbst, was Mutter Natur dir nicht mitgegeben hat.

Es ist schade, wenn selbst erwachsene Frauen sich diesem Kult unterwerfen. Wenn die ewige Jugend als einziger Quell der Freude betrachtet werden kann. Wenn nicht alleine schlank das Kriterium ist, sondern makellos. Wenn alle Narben, Risse, die gesamte Geschichte verpackt in Falten und grauem Ansatz, quasi ausgelöscht wird.

Es ist nicht unter Feminismus zu verbuchen, wenn Frauen sich scheinbar der freien Wahl bedienen, sich online so darzustellen (wie sie angeblich wollen). Natürlich bedient es auch in uns dieses kurze Gefühl der Befriedigung: ich bin schön.

Meiner Verantwortung anderen Frauen, Kindern, aber auch Männern gegenüber, werde ich hier aber nicht gerecht.

Warum Männer? Weil auch dieses Bild der perfekten Frau sich in ihren Köpfen breit macht. Diese Stereotype einer Frau ohne Ecken und Kanten. Makelloses Antlitz, makelloser Charakter. Alles Blödsinn, Jungs!

All diese Frauen da menstruieren, werden mal krank, haben mal richtige Scheißtage und können euch mächtig auf den Geist gehen. So wie ihr uns. Da ist kein Unterschied.

Der einzige Unterschied vielleicht, Frauen wollen sich lieben und akzeptieren lassen wie sie sind, bei zeitgleicher Feindschaft mit sich selbst.

Wir werden reduziert, weil wir uns noch immer reduzieren.

Wie jagen unserem Idealtyp hinterher: dem Vater. Der der uns nur wirklich lieb hatte, wenn wir entweder besonders brav und hübsch waren oder wenigstens die gleichen Interessen geteilt haben.

Da sitzen wir also jetzt in all unserer Schönheit (zumindest online) und zerbrechen am hausgemachten Druck. Es mag sein, dass die Möglichkeiten gering sind alle zu ändern, aber ich sehe sie schon durch die Stadt fahren: die jungen Frauen mit Beinbehaarung. Die Frauen, die ihren Speck nicht unter Körperformern verstecken. Die ungeschminkte Wahrheit, wenn es darum geht zum Bäcker und nicht in eine Varietéshow zu gehen.

Natürlich wird es immer eine Frau geben die behauptet sie findet sich aber genauso gut und tut dies nur für sich. Gleichzeitig lese ich ständig von eben diesen Damen, Make-up sei ihr Schutzschicht in einer Gesellschaft voller oberflächlicher Mistkerle.

Die fiesesten Kommentare kommen übrigens von Frauen. Ganze Zeitschriften sind angefüllt mit Dramen über Cellulite oder Magerwahn der Stars. Käuferinnen sind fast ausschließlich Frauen. Wir sollten uns diesen Müll verbieten. Wir sollten aufhören schönen Dingen nachzurennen, weil irgendetwas in uns wie bei der Elster danach dürstet es zu besitzen. Wir werden die ewige Jugend nicht halten können. Wir werden vielleicht niemals schön geboren. Wir können schön sein, indem wir uns schön verhalten.

Nicht brav! Nicht angepasst! Nicht unfrei!

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