ZWISCHEN GLAUBEN UND WÜRDE

Viel zu häufig finden sich Menschen in einem echten Dilemma wieder. Woran glaube ich? Was sind meine Werte? Kann ich ihnen immer gerecht werden?

Die Antwort sollte ehrlicher Weise „Nein“ lauten. Niemand ist unfehlbar und niemand kann sich in jeder Situation souverän genug behaupten. Manchmal bleibt einem einfach die Spucke weg oder es fehlt die Energie für einen Schlagabtausch. Gelegentlich finden wir uns in einem Leben ohne Möglichkeiten wieder, zumindest erscheint es uns so. Ab und an, treffen wir Entscheidungen, die sich gegen unsere Haltung stellen. Vielleicht zum Wohle anderer oder weil wir jemandem zur Loyalität verpflichtet sind, ob im Beruf oder der Partnerschaft.

Was aber, wenn wir zu denen gehören die am lautesten schreien, sobald wir ein in unseren Augen Unrecht aufdecken? Sind wir diejenigen, die sich dann häufiger rechtfertigen müssen, wenn wir daneben liegen? Ich glaube ja.

An einem Beispiel:

Es gibt Menschen, die setzen sich für Feminismus ein, wollen das Patriarchat zerschlagen und prangern Missstände dort an, wo sie angeprangert gehören. Im selbst Atemzug verhindern sie dennoch nicht, dass Männer in direkter Unterhaltung über andere Frauen bösartig sprechen, sie sogar als Fotze titulieren. Muss man Einhalt gebieten? Definitiv. Denn hier wäre es ein leichtes sich auf direkte Art und Weise stark zu machen. Sich auf eine niederschwellige Weise für die Geschlechtsgenossinnen stark zu machen, zu behaupten und Denkanstöße zu liefern. Warum geschieht das nicht? Weil es schwerer ist jemanden direkt zu überzeugen. Sich aufrecht zu zeigen. Sich vielleicht gegen einen Freund zu positionieren.

Immer wieder wird der Ruf laut, wer die Umwelt schützen möchte, darf aber auch kein Plastik verwenden oder mit dem Auto oder gar Flugzeug reisen. Alles soweit korrekt, aber die Grenzen verschwimmen hier zwischen gut und böse, richtig und falsch. Natürlich kann man nicht jedem gerecht werden, was aber wirklich stört, ist die Tatsache, dass man sich selbst vielleicht über eben jene Menschen beklagt hat, denen man ähnelt bis aufs Blut.

Wenn ich mich an etwas stoße, jemandem etwas aufzwingen möchte, was ich selbst in keinster Weise lebe, bin ich nicht in der Vorbildfunktion, sondern ein Spalter. Die Ambivalenz meiner Worte und Taten, führen beim Gegenüber zu Irritationen und schlimmstenfalls Wut.

Wer anderen ständig sagt was sie falsch machen, sollte über eine weiße Weste verfügen oder sich selbst nicht aus der Schusslinie nehmen. Denn es ist leicht andere zu belangen, wird aber zur Prüfung sein eigenes Handeln zu hinterfragen.

Es ist gut sich kritisch mit Missständen auseinander zu setzen. Es ist noch besser, seine eigenen Handlungen zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu justieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s