IRRUNGEN

So manches Mal habe ich mich in meinen Partnerschaften schon gefragt, ob jeweilige Partner auch tatsächlich gut zu mir passen würden. Stichwort Humor. Meinetwegen auch Stichwort Romantik.

Mein Humor ist, sagen wir, speziell. Ich bin immer ein wenig zynisch. Klar, Berlinerin. Und auch ziemlich nerdig, denn ich hatte diese komplizierte Kindheit und Jugend, also wurde aus mir ein komplizierter Erwachsener.

Ich lese viel. Interessiere mich für alles, aber habe seit der Kinder nicht das eine erfüllende Hobby. Stattdessen bediene ich mich einem Fundus an unnützem Wissen, einer Vielzahl Simpsons Zitate und kann David Bowie-Songs in jeder Lebenslage hören, mitsingen und mich in ihnen verlieren.

So viel zu mir.

Aber wie sind meine jeweiligen Partner so? Zunächst einmal alles mehr oder weniger kreative und sensible Typen. Manche von ihnen verfügen über einen außerordentlich flachen und bissigen Humor, einige über scheinbar gar keinen. Zumindest nicht kompatibel zu meinem.

Es ist wie mit dem Küssen. Wenn ich jemanden anfangs als guten Küsser empfinde und nach wenigen Wochen stellt sich das Gefühl nicht ein, manchmal macht sich sogar eine Abscheu breit, dann funktioniert das Ganze drum herum nur noch beschwerlich. Ohne Küsse, ohne mich!

Wenn jemand mich anfangs zum lachen brachte und ebenso wichtig: über meine Witze lachte, aber bereits nach ein paar Monaten keine Lacher mehr folgen sollen, frage ich mich zwangsläufig was da schief ging? Habe ich mir die erste Zeit schöngefühlt? War das alles ein Spiegelbild meiner Bedürfnisse und Wünsche? Passt der andere denn?

Da sind Momente, in denen ich mir vorstelle, wie der Partner wohl mit seiner Ex umgegangen ist. Ob sie gemeinsam gelacht haben, ob sie sich respektvoll behandelt hätten oder kleine Insider hatten.

Zu Beginn einer jeden Beziehung, sind die Männer meines Lebens unfassbar zugewandte Menschen. Gute Zuhörer. Verständnisvolle Begleiter. Aufmerksame Liebhaber.

Irgendwann bröckelt es. Da wird nicht mehr subtil geflirtet, sondern mit dem Brecheisen geklärt wohin die Reise geht. Folgten anfangs schon in der Frühe die romantischen Liebesbekundungen, gibt es heute bis zur Mittagsstunde manchmal eisiges Schweigen. War es damals wichtig sich mit dem Partner auszutauschen, wird nach und nach das Bedürfnis weniger. So sitze ich also da, fragend, ob der andere anfangs einfach nur auf Helden macht oder sich diese Position leicht abnutzen lässt? Bin ich es vielleicht, die zu hohe Erwartungen hat? Sind alle Paare dem gleichen Fluch ausgesetzt? Meine Freundinnen meinen ja.

Und das ist schade, weil so immer diese negativen Gefühle aufkommen, die es gilt zu unterdrücken oder zumindest an ihnen zu arbeiten.

So möchte man dem Partner weder Vorwürfe machen, noch im eigenen Meer aus Fragezeichen versinken.

Wieso haben wir uns verändert?

Wieso bringst du mich nicht mehr zur Bushaltestelle? Warum kommst du nicht mit Kaffee vorbei? Wann schaust du mich nochmal so an, wie zu Beginn? Und während man als Frau (?) diesen Zauber länger aufrecht zu erhalten vermag, stumpft die andere Seite ab. Die Seite, die nach einem vermeintlichen Betrug behauptet, die Partnerin sei ja nicht mehr interessiert genug gewesen. Hätte weniger zu einer guten Beziehung beigetragen.

Es sind diese Irrungen der Liebe, die sich mir nicht erschließen wollen.

Denn wo all diese unterschiedlichen Bedürfnisse sind, wieso dann überhaupt auf eine Beziehung zurückgreifen? Wenn jeder von uns das gleiche wollte, in wenigen Abstufungen anders als der andere wäre (für die Spannung), wäre es nicht leichter einander lange zu mögen?

Mir war nie klar, warum wir Menschen uns überhaupt in jemanden verlieben, der sich nicht für uns interessiert. Es ist unlogisch, unnötig kompliziert und unpraktisch. Treue ist angeblich vielen so wichtig. Wieso dann nicht von Beginn an den perfekten Partner finden? Wofür dieses Ränkespiel? Um seine Samen breiter zu streuen? Wofür dann der Wunsch nach Exklusivität überhaupt? Wenn wir alle das gleiche wollen, gibt es auch weniger Drama am Ende. Es gäbe nur ein Ende (den Tod) oder eben viele offene Anfänge. Ohne Missgunst. Ohne Leid.

Zurück zu meiner Problematik. Ich wünschte mir, jemand würde bis der Vorhang fällt über meine Witze lachen. Und ich würde versprechen, bei einem absoluten Romantiker niemals aufzuhören ihm in die Augen zu schauen. 😉

2 Kommentare zu „IRRUNGEN

  1. Wir tun verdammt viel dafür um geliebt zu werden. Dazu holen wir eine Zeit lang unser bestes hervor. Aber in diese Pfauenfedern sollte man sich nicht verlieben. Natürlich leichter gesagt als getan. Man sollte einen Menschen für das lieben was er für sich selbst ist. Nicht nur in die Maske der frühen Liebe. Wenn man jemanden lieben kann ohne dass man selbst im Bild ist, hat man glaube ich die größten Chancen. Klingt das komisch?

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