GEMEIN SEIN

Wenn ich etwas kann, dann wie ein Rohrspatz richtig schön, im unfeinsten Berlinerisch, fluchen. Kommt allerdings wirklich selten vor, weil ich es verabscheue gemein zu sein.

Es gibt so Menschen, insbesondere geschützt durch die Anonymität des Internets, die andere Leute denunzieren, beleidigen oder zumindest mit Vorliebe blöd anmachen. Ihr Schamgefühl scheint dabei, genau wie ihre Moral, mit jedem Mausklick kleiner zu werden.

Wenn ich jemandem etwas Schlechtes wünsche, kommt es nicht selten vor, dass mich anschließend das olle Gewissen erinnert, wer ich wirklich bin und was ich niemals sein will: ein verletzender und schwacher Charakter.

Viele Leute ahnen vermutlich sogar was sie dem Gegenüber da antun. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist ihnen nämlich eben genau dies selbst schon oft wiederfahren und nun geben sie ihren Schmerz und ihre Wut ungefiltert weiter.

Natürlich nicht immer an Unschuldige. Aber wie bei der Selbstjustiz, halte ich es auch im Falle der Mobbingkultur für eine Form des nicht gerechtfertigten Umgangs, eher noch eines miesen Stilmittels, dessen man sich bedient, um sich zu erhöhen und andere zu erniedrigen.

Dabei ist im Grunde niemand geschützt vor dem Boomerang, der sich löst, wenn man seine ganze negative Haltung unter die Leute trägt. Wer nämlich stark und unverwundbar wirkt, darf sich über andere AngreiferInnen nicht wundern.

So begibt man sich in einen Teufelskreis, der aus nicht enden wollenden Gemeinheiten besteht. Hier ein erhobener Finger und da ein niederschmetternder Kommentar.

Wie kann man sich so wohlfühlen? Wir kann man unter dem eigenen Hass nicht kranken? Leidet ihr nicht, wenn ihr anderen Leid zufügt?

Wer mir schadet, der schadet im Grunde nämlich nur sich selbst. Jedes schlechte Wort, jede Kränkung, jeder Hohn, bohrt sich tief ins Unterbewusstsein und nagt.

Ich glaube nicht an Karma oder eine andere spirituelle Macht. Ich glaube aber daran, sich nicht weiterentwickeln zu können, wenn man sich selbst klein hält. Größe entsteht aber nicht, indem man sich auf dem Rücken anderer wiederfindet.

Wer sich selbst liebt, kann einfach kein Arschloch sein.

4 Kommentare zu „GEMEIN SEIN

  1. Ich bin da sehr gespalten. Sehe das aber unter dem Strich weitestgehend wie du. Nur die einzelnen Punkte bis zum Endergebnis unterscheiden sich. Ich mag beispielsweise die Mimimimi-Attitüde nicht. Wenn mir jemand dumm kommt, sollte ich weitestgehend darüber stehen können. Das soll nicht heißen dass mir das immer gelingen würde. Aber wenn alle Konflikte aus Worten bestehen würden, hätten die Menschen viel gewonnen. Immerhin muss ich entscheiden wem ich wie viel Macht einräume. Man sollte eine gewisse gesunde Ignoranz besitzen. Ich betrachte dies als einen Teil des Erwachsenseins. Auch sehe ich solch ein Verhalten nicht als gemein an. Sondern als eine Form von Schwäche. Solche Menschen vermeiden es Opfer zu werden indem sie Täter sind. So jemand hat große Minderwertigkeitskomplexe. Ich glaube auch nicht dass es unbedingt Selbstliebe braucht um sich nicht so zu verhalten. Wenn es auch sehr hilfreich sein mag. Es reicht schon ein gewisser Grundrespekt. Man sollte sich einfach an die Regel halten andere so zu behandeln wie man selbst behandelt werden möchte. Wir kommen also etwa zum selben Ergebnis auch wenn die Rechnung eine andere ist. Es ist einfach unreif jeden anzupinkeln nur weil man keine Sozialkompetenz besitzt. Dadurch bleibt man in der eigenen Entwicklung stecken.

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    1. Ich sehe das wie du und empfinde dein geschriebenes Wort meinem ganz ähnlich. Nahezu dasselbe. Es geht nicht darum sich alles gefallen zu lassen. Es geht mir darum, nicht bei jeder Kleinigkeit auszuholen, noch dazu auf die lächerlichste Weise. Im Grunde sind das Schwächen, die aus eigener Angst und Sorgen resultieren. Wer Angst vor einem Angriff hat (ob tatsächlich oder metaphorisch), kann sich tot stellen, weglaufen oder angreifen. Wer sich allerdings ständig angegriffen fühlt und somit die Freiheit nimmt „zurückzuhauen“, ist in meinen Augen klein. Schon die Wortwahl“du Idiot“, kann man sich klemmen, wenn man Wert legt auf einen reflektierten Blick und Größe. Es muss mir nicht jeder gefallen, aber ich muss auch nicht Feuer mit Feuer bekämpfen. Ich glaube, Unterdrückte werden oft in irgendeiner Form zu Unterdrückern. Insbesondere online schön zu beobachten. Niemand der sich selbst respektiert, lässt sich überhaupt auf solche stumpfen Kämpfe ein. Die eigene Wertigkeit spielt eine große Rolle im Umgang mit der Wertschätzung anderer.

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      1. Also ich fluche wie ein Rohrspatz und sage schnell Dinge wie „Du Idiot“. Wobei ich mir Unrecht tue. Ich bin viel freundlicher als ich es zugestehen möchte. Oft muss ich mich zwingen das Feuer zu erwidern. Manchmal steckt hinter meinen Beleidigungen aber auch eine gewisse Zuneigung. So oder so finde ich es nicht schlimm ein bisschen zu sticheln. Was ich nicht mag ist wenn man versucht jemandem absichtlich wehzutun weil man sich selbst etwas beweisen will. Was ich jedoch sehr interessant finde ist dass die Menschen die einen wahllos beleidigen oft die Selben sind, die bei anderen schleimen.

        Übrigens sagen Menschen oft die selben Worte in verschiedenen Sprachen. So auch bei uns.

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      2. Da gehe ich mit. Mir geht es ausschließlich um diese Form der Gemeinheiten. Liebesbekundungen wie Neckereien, finde ich spitze. Ich bin auch Freund großer Offenheit. Hintenrum beleidigen oder Beleidigungen als Stilmittel, sind in meinen Augen lahm und dienen eigentlich ganz anderen Motiven.

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