LÜGEN FÜR DEN SELBSTERHALT

Da sind sie wieder, die Leute, die sich selbst und allen anderen bescheinigen wie glücklich und zufrieden sie mit sich und der Welt sind. Na ja, zugegeben, nicht der ganzen Welt.

Natürlich darf gefrotzelt und gepöbelt werden. Aber bitte nicht über das eigene Leben. Über die eigenen Kurven, die jetzt vor anderen gerechtfertigt werden. Die Kinder, alleinerziehend oder glücklich vergeben, zu erziehen. Single zu sein oder verheiratet.

Überall wird versucht sich für seine bewussten (oder unbewussten) Entscheidungen zu rechtfertigen. Da wird der Speck um die Hüften zum Heiligtum erklärt oder sich entschuldigt, wenn die Gene eine Lücke zwischen die Beine gemeißelt haben. Manchmal wird glaubhaft versichert, so wie es ist, gefällt es uns, damit Basta. Beste Zeit meines Lebens! Endlich Single! Endlich zufrieden mit dem Winkearm. Endlich angekommen…bla bla.

Sind wir mal ehrlich. Gemessen an den Erfolgen der diversen Dating Apps ist doch niemand tatsächlich richtig gerne alleine. Gerade die, die am häufigsten über die Unfähigkeit der anderen lästern, sind auch die, dich sich diesem Sog nicht entziehen können. Die, die jahrelang Diät gehalten haben und jetzt lieber zu Eis und Chips greifen, müssen ihr Konzept ändern und nennen es Selbstliebe. Ist das so? Kann man wirklich so aus seiner Haut? Oder ist man tatsächlich nur einfach kurz vor einem Nervenzusammenbruch? Weil man nicht gelernt hat selbstzufrieden zu sein. Immer galt es sich zu optimieren. Für andere.

Also lehnt man sich scheinbar jetzt zurück, erkennt nicht nur an, dass es einer Tatsache entspricht, eventuell nicht das Leben zu leben, was man sich vorgestellt hat und beginnt anderen genau das jetzt vorzuspielen.

Da heißt es dann: ich finde es sowieso besser Single zu sein. Ich bin sowieso lieber curvy als dürre. Ich wollte ja sowieso lieber Hausmann/Hausfrau sein, statt Karriere zu machen.

Ganz ehrlich? Diese Form des Selbstbetrugs nervt. Statt einfach zu sein, zu leben, dem anderen nicht glaubhaft machen zu müssen, dass das eigene Leben im Grunde niemanden einen Dreck angeht, wird hier über etwas hinweggetäuscht.

Die Angst. Die Sorge abgelehnt zu werden. Die Sorge unsichtbar zu sein.

So sucht man sich gezielt Gleichgesinnte und bemüht sich darum die eigenen Unzulänglichkeiten doch ins Gegenteil zu verkehren.

Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam sind wir gerne und viel lieber Single. Gemeinsam sind wir dick. Gemeinsam sind wir dünn. Gemeinsam sind wir.

Es ist lächerlich wie wichtig uns Menschen Gemeinsamkeiten sind. Entsprechen wir nicht der Norm oder dem gängigen Format, suchen wir umso lauter nach anderen. Anderen wie uns.

Da wird sich also vorgelogen, diese Datingseiten nur zu besuchen, um…ja warum eigentlich? Um später ein Buch schreiben zu können? Oder vielleicht, weil da dieser Funke Hoffnung in uns schlummert, der sagt „Du warst lange alleine und ungeliebt-es reicht.“

Es bleibt dabei. Menschen sind merkwürdig. Sie wollen so sehr wie die anderen sein und scheitern auf lange Sicht kläglich. Wer scheitert, zieht gerne andere mit sich.

Da werden dann die Glücklichen niedergemacht und die Gleichgesinnten zur Armee. Da wird sich verbündet gegen einen Feind, der eigentlich nicht der tatsächliche Feind ist. Man selbst.

Man selbst und seine Schatten. Seine Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Nähe.

So reden wir uns ein perfekt zu sein und uns zu lieben wie wir sind. Wäre es tatsächlich so, würden wir das alles aber gar nicht brauchen. Die Aufmerksamkeit. Die Ruhelosigkeit. Wir suchen etwas und jemanden und versuchen uns auf diesem Weg anzupassen, aufzugeben, nicht zu zerbrechen. Wir versuchen andere glücklich zu machen und ein Stück von ihrem Glück zu uns werden zu lassen.

Dabei wäre das Zauberwort Akzeptanz.

Sich so zu akzeptieren wie man ist, ohne andere klein zu machen oder sich selbst in aller Sprunghaftigkeit zu manipulieren, könnte helfen.

Hilf dir selbst! Höre auf dich zu manipulieren!

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