SCHADENFREUDE

Jeder kennt sie, ein jeder hat sich ihrer schon bedient:der Schadenfreude.

Dieses kribbelige Etwas, bei dem es darum geht sich über andere zu stellen und sie mit Wonne zu verspotten. Meist für etwas, was sie gesagt, gemacht oder besser falsch gemacht haben.

Dabei verhöhnt man in erster Linie eigentlich nur sich selbst und die eigene Unfähigkeit Größe zu beweisen. Unabhängigkeit noch dazu.

Wer sich, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, ihnen zuwendet und im extremsten Fall ggf. auch einfach ab, muss sich später nicht mit diesem Ziepen in der Magengegend rumschlagen. Dem schlechten Gewissen jemand anderem wegen einer Kleinigkeit etwas abgesprochen zu haben. Vielleicht, ein guter Mensch zu sein. Oder ein intelligenter. Vielleicht, sich geirrt zu haben, sich weiterentwickeln zu können, trotz Irrungen und akuter Dummheit.

Wer mit dem Finger auf andere zeigt und sie an einen Pranger stellt (im Internet übrigens die leichteste Übung der KritikerInnen), wirkt nicht nur schnell unsympathisch, sondern macht sich ebenso angreifbar. Denn wer Hass sät, wird Hass ernten. Hat schon einmal jemand von jemandem gehört, der tatsächlich zweimal die Wange hingehalten hat? Eher selten. Man muss schon der Dalai Lama sein, um nicht der Verlockung später Rache auf den Leim zu gehen.

So schwer es fällt, augenscheinliche Fehler und ihren Verursachern nicht gehörig sind auszuwischen, zeigen sich wahre Stärke und Menschlichkeit im Verzeihen und in der Geduld. Im sich Entwickeln und andere wachsen lassen.

Vielleicht irre ich mich aber auch, gemessen am Erfolg dieser Erkenntnis. Immerhin setzen doch eine Menge mehr Menschen auf Demütigungen und Hass. Auf Unterdrückung und Schuld. Es anders zu probieren, wäre eine Möglichkeit auch etwas zu verändern. Manche Menschen sind sich der Tragweite vermutlich aber gar nicht bewusst. Und wozu überhaupt etwas ändern?

Der Mensch fühlt sich doch sowieso am wohlsten im ewig Gewohnten.

2 Kommentare zu „SCHADENFREUDE

  1. Ja, das stimmt der Mensch fühlt sich im Gewohnten am wohlsten. Aber ich habe die Hoffnung das jeder für sich selbst erkennen kann, der eine früher der andere später, das es durchaus Sinn macht mit alt Bekanntem zu brechen.
    Neues auszuprobieren enthält ja nicht nur Gefahr sondern auch die Chance auf Veränderungen. Wie du in deinem Text ja auch aufzeigst.

    Schadenfreude ist eines der Dinge die mich Jahre lang begleitet haben. Allerdings auf der Seite des Schadens. Ich hatte jemanden in meinem nahen Umfeld der es genossen hat mir jeden Fehler, jedes Unwissen und jede Ungeschicklichkeit unter die Nase zu reiben. Ich habe es nie verstanden.
    Mittlerweile bin ich mir sicher das mich dieser Jemand als Bedrohung in irgendeiner Weise wahrgenommen haben muss und mich so unbewusst oder bewusst denunzieren wollte. Ich habe naiver Weise alles lang ertragen und zum Teil sogar versucht zu kopieren (worauf ich nicht stolz bin) aber irgendwann war Schluss. Ich habe meine Grenze gesetzt und weiss seit dem auch das ich so etwas nie jemand anderen spüren lassen möchte. Dieses Gefühl auf der Seite, der Unzulänglichkeit, des Versagens und der Dummheit.

    Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf das es Menschen da draußen gibt die die Möglichkeit haben über ihren Schatten zu springen und aus alt gewohnten zu schlüpfen.
    Den letzten Endes ist es ein trauriger und einsamer Weg. Der der Schadenfreude auslebt, ist irgendwann allein. Denn wer möchte, schon die ganze Zeit einen negativ verzerrten Spiegel vorgehalten bekommen.
    Ich denke das will keiner von uns. 😊

    Gefällt 2 Personen

    1. Das ist ein großer Wandel. Ich freue mich, dass du ihn mit mir teilen konntest. Spannende Erfahrung zu lesen, dass andere Menschen, mit ganz ähnlichen Erlebnissen, hinter den Likes stehen. Alles Beste weiterhin! Und ich gebe dir Recht, es ist nicht leicht, nie.

      Gefällt 1 Person

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