GEISTER

Die heutige Überschrift lieferten meine Kinder. Das große Kind rief „Das war ein Geeeeiiiist!“ und das kleine Kind antwortete wütend:“Nein, hör auf, mach sowas nie wieder!“. Da ist sie also, die Konfliktparade.

Als sei das Leben nicht schon anstrengend genug, zwischen Politikverdrossenheit, Arbeitsfrust und Armutsgrenze, gesellt sich hier bei uns zu Hause ein ständiger Konflikt mindestens zweier Parteien.

Partei eins möchte etwas und die zweite Partei findet es lustig sich über alles und jeden hinweg zu setzen. Da wird gefaucht, geschimpft und gebrüllt. Bringen sie sich am Ende etwa um oder überstehen wir dieses Jammertal auch irgendwie? Ich bin nämlich unentwegt beschäftigt damit auf Arbeit mein Bestes zu geben, alleine den Haushalt zu schmeißen (Unterstützung gibt es natürlich hier und da) und alle möglichen Baustellen außerhalb meines eigenen kleinen Universums zu verarbeiten, wenn nicht manchmal sogar zu ignorieren.

So kaufe ich immer noch zu viel in Plastik verpackten Kram ein. Esse bei McDonald’s, seit ca. einem Jahr wirklich regelmäßig (danke, du schlechter Einfluss!) und shoppe billig.

Reicht es nicht, sich jeden Tag verteilt über 24 Stunden zwei oder dreimal Gedanken über Klimakatastrophe und Raubbau zu machen? Über Nationalsozialismus und Monokulturen? Über verfehlte Wohnungspolitik und Unterbezahlung? Muss ich mich jetzt auch hier, in meinen eigenen vier Wänden, meinem Schutzraum, meiner Heilstätte und meinem Rückzugsort tatsächlich jeden Tag mit meinen Kindern streiten?

„Hör auf XY, werd erstmal älter!“,höre ich da das große Kind altklug sagen. Es scheint ein Spielzeug hin und her zu fliegen. Jemand brüllt laut Auaaaa und ich liege in der Wanne und möchte nochmal 20 und nichtschwanger sein. Nur mal ganz kurz. Ein Abstecher in die Zeit, in der es keine Lehrergespräche gab und Diskussionen über Nonsens. In meinen Augen Nonsens.

Und so träumen wir alle von etwas anderem. Einer vielleicht von einer liberalen Erziehung. Einer von unendlich langen Wochenenden. Wir alle davon etwas zu erreichen, sowas wie Freiheit. Dabei nicht immer Rücksicht nehmend auf die Freiheit und Grenzen des anderen.

Es ist nicht immer leicht in einem riesigen Miteinander. In einer Gesellschaft die so groß und weit ist. In einem Leben neben einem Leben neben einem Leben. Rücksicht lautet das Zauberwort. Aber nicht immer gelingt es.

Wenn wir schon zu dritt nicht immer in der Lage sind einander rücksichtsvoll zu begegnen, geschweige denn liebevoll, wie sollen es die Menschen untereinander, die sich fremd sind?

Es sind diese Geister, die mich ruhelos zurück lassen. Und hier, in meinem Versteck, sitzen zwei von ihnen und spuken fröhlich weiter.

2 Kommentare zu „GEISTER

  1. Ich kann mir diese Scene richtig gut bildlich vorstellen. Auch wenn ich noch keine Kinder habe, glaube ich zu verstehen.
    Während ich deinen Text gelesen habe, konnte ich mit dir fühlen.

    „So kaufe ich immer noch zu viel in Plastik verpackten Kram ein. (…) und shoppe billig.“

    Ich könnte statt Mc D. hier allerdings was anders einfügen, der Dinge die ich noch gern verändern würde.
    Zum Beispiel eher beim Fleischer einkaufen als Discountware.

    Ich denke wir alle haben unsere Geister. Welche mal mehr mal weniger aufdringlich und laut sind.

    Rücksichtnahme ist eine gute Strategie. Dazu möchte ich auch die Rücksicht sich selbst gegen über hinzufügen.
    Das wir eben nicht alle 250% auf einmal geben können, wenn wir schon lange mehr als 100% geben.

    Nachsichtig mit mir selbst sein fällt mir nicht gerade leicht. Aber ich bleibe dran und sage mir immer wieder: „Vergessen und Nachsicht sind zwei völlig verschiedene Dinge.“

    Gefällt 2 Personen

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