UNLUST

Heute unterhielten eine Kollegin und ich uns über die Kinder. Es ging dabei sowohl um die eigenen, als auch die uns zugeführten Kids. Beide kamen wir zu dem Ergebnis, dass es uns keine Freude bereiten würde, mit ihnen zu spielen. Insbesondere Spiele die sich wiederholen oder damit verbundenen sind auf einem Fußboden zu liegen und Autos oder Puppen hin und her zu bewegen.

Meine Kollegin fiel mir erleichtert in die Arme. Nun gut, sie ist sowieso schnell nahe am Wasser gebaut und emotional. Sie freute sich darüber, dass ich so offen mit dem für sie großen Tabu umgehen konnte. Kinder haben, mit Kindern arbeiten und keine Lust mit Kindern zu spielen? Wie kann das gehen?

Ganz einfach. Kinder sind toll. Ihre Entwicklung zu beobachten, macht viel Spaß, ist spannend und voller Herausforderungen. Mit ihnen etwas zu gestalten, zu formen, zu lernen, hat viele Vorteile. Es wird einem in der Regel nicht langweilig und wir Erwachsenen lernen immer etwas dazu. Gemeinsam wächst man.

Nachteil: viele Kinder lieben Wiederholungen und nur wenige Erwachsene halten an ihrer kindlichen Phantasie fest.

Also sitzt man da im Kinderzimmer, zwischen Barbiehaus oder Legokiste und zählt die Minuten bis es vorbei ist. Da wird sich dann sehr erwachsen eine Geschichte ausgedacht, die wenig mit fliegenden Raumschiffen oder Heldinnen in rosa Tüll zu tun hat. Es geht eher um alltäglich Erlebtes. Mami wäscht die Wäsche und muss den Zug zur Arbeit noch erreichen. Unterwegs gab es einen Unfall auf der A3 und das Kind wartet noch in der Kita. Abends gehen nach dem Essen alle ins Bett und draußen im Stall stehen die Kühe, Schweine, ein Tiger und ein Transformer und wartend, auf den nächsten Tag. So oder so ähnlich.

Menschen die sich in diesem Refugium der Kindheit wohlfühlen, sitzen natürlich selig daneben und lassen Raketen starten, die gedanklich zum Jupiter fliegen. Meist sind das Väter, sind wir doch mal ehrlich. Da wird gebaut und mit Inbrunst knallen die Duplosteine. Da werden Schwerter aus Klopapierrollen gebastelt und intelligente Knete auf dem Sofa verteilt.

Mir kommen immer nur Mütter entgegen, die verzweifelt und peinlich berührt fragen, ob ich auch so ungerne spiele. Brettspiele und Knettiere formen mal ausgeschlossen.

Ja verdammt, ich hasse das. Sowohl in meinem Beruf, als in meiner Berufung. Kinder sind so toll, aber hier amüsieren sie mich kein Stück. Selbst wenn es darum geht draußen Ball zu spielen, wird geschummelt, gebrüllt oder nach drei Minuten aufgegeben. Kinderzimmerspiele sind dennoch der größte Horror für mich (und meine Leidensgenossinnen).

Während in der Küche das Abendessen auf unsere Zubereitung wartet, sitzt es sich deutlich ungemütlicher vor dem Puzzle. Wenn die Waschmaschine piept, möchte man gerade einfach nicht mehr in dem Malbuch kritzeln. Liebe Kinder, lasst es gut sein!

Wir lieben euch und wir wollten euch. Wir haben in unserer Vorstellung auch oft genug gespielt und euch bei der Erschaffung eines Piratenimperiums geholfen. Die Realität sieht anders aus. Sie ist trist, unzugänglich und zäh. Zehn Minuten mit euch spielen, können sich für uns wie zehn Minuten mit uns spazieren gehen anfühlen.

Es ist überraschend wie wenige Eltern sich trauen so etwas auszusprechen. Als müsste man sein Kind zurückgeben, wenn man darauf einfach keine Lust hat. Müssen wir nicht. Zum Glück. Und das tollste Ding ist ja, Selbstspiel ist für die kindliche Entwicklung wichtig und gesund. Sie lernen ihre Phantasie voll auszuschöpfen, während wir Erwachsenen ihnen dazwischen funken und nicht aufhören können erwachsen zu sein.

Einmal pro Kind und Spiel dabei zu sein, sollte funktionieren. Es ist wie mit dem Essen. Einmal wird probiert. Mindestens.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s