VERBLENDET

Hach, na gut, ich gebe es zu: ich bin hoffnungslos romantisch. Zumindest was ich für romantisch halte.

Und so dachte ich mir auch nichts dabei, als ich Netflix beim Baden öffnete, „Sex and the City“ unter den Vorschlägen fand und schulterzuckend anklickte.

Ich dachte mir auch noch nichts dabei, als die ersten Szenen (ich kenne den Film auch bereits) in einem riesigen Appartment spielten, nein sorry, ein Penthouse, welches der Prototyp von Antiheld seiner Angebeteten einfach mal so aus dem Hut finanzierte. Ich dachte mir auch noch nichts dabei, als meine Tränen heiß über die wannenfeuchten Wangen liefen. Alles so schön romantisch eben.

Zu dumm nur, dass unser Liebesleben nicht annähernd mit diesen Kitschfilmen zu tun hat. Es ist niemand da der uns einfach so nach Jahren der On/Off-Liebe ein Luxuswohnen ermöglicht und überhaupt, wie oft kann man sich trennen, um dann doch nach sechs Jahren zueinander zu finden? Geht das? Gibt es das?

Ich habe ja schon viel in meinem Leben erlebt. Affären, Romanzen, Beziehungen, war sogar einmal verlobt. Geheiratet wurde ich letztlich nie, was ich meiner großen Klappe und meinem Hang zum Drama zuschreiben würde. Anfangs bin ich die coolste Person die du treffen wirst, später sowas wie ein Prellbock ausgedienter Liebe.

Oft fragte ich mich schon, wie es kommt, dass mir andere Menschen einfach nicht uninteressant werden. Na ja, zugegebenermaßen kam das natürlich auch schon vor. In einer Beziehung bin ich es jedoch fast ausschließlich, die nicht aufhören kann zu lieben, zu idealisieren und zu schwärmen. Habe ich mich entschieden, dann mit Karacho. Der andere ist sich dann meiner Aufmerksamkeit sicher und auch wenn ich nicht jeden Tag die Nähe suche, so bin ich gedanklich immer wieder beim anderen.

Es müssen diese Art Filme und Märchen gewesen sein, die mich sozialisiert haben. Meine Mutter lebte mir da nichts dergleichen vor. Sie war weder sonderlich liebevoll zu ihren Partnern, noch romantisch. Die hatte eine Neigung zur Gemütlichkeit und hat sicherlich im Winter die ein oder andere Kerze brennen lassen, aber ist das gleichzusetzen? Eher nicht.

Ich hingegen gehöre zu den Frauen, die Schnitzeljagden an Jahrestagen organisiert oder Fotocollagen bastelt. Ich bin die, die herausfindet was dein größtes Hobby ist und dir passend dazu eine Torte anfertigen lässt. Ich bin die, die ihre Reiseplanung abenteuerlustig für zwei ausrichtet und hofft es wird irgendwas eingeschneites im Wald. Einsam. Nackt. Du. Ich.

Ja, zugeben. Es könnte erdrückend wirken mit mir den Bund der Beziehung einzugehen. Dabei ist dem nicht so. Die meiste Zeit verbringe ich gerne alleine und dazwischen mit der Familie oder Freunden. Der Partner kam lange an Stelle vier oder fünf. Manchmal noch nach dem Job.

Dies zeigt aber nur, mit welcher Leidenschaft ich all meine Prioritäten pflege. Da gibt es wenig halbes. Wenn mich etwas interessiert oder für sich gewinnt, dann ganz oder gar nicht.

Warum aber sind Männer da oft so anders? Oder sind alle anders und die wenigen Ausnahmen werden verfilmt oder zu Romanen verwurstet?

Mir gefällt es ich zu sein. Ich wüsste auch nicht mit Bestimmtheit, ob ich jemanden suchte, der so ist wie ich oder ob mir das Erobern mehr Freude bereitet, als erobert zu werden.

Meine Oma sagt immer:“Du bist halt Widder. Die sind so! Die brennen.“ Und ja verdammt, ich brenne für andere. Ich brenne für das Leben und manchmal verbrenne ich mich und uns und alle die wir kennen.

Spaß.

Es ist nicht immer leicht zu unterscheiden, wo ich ich sein darf und wo ich einen Gang zurückschalten muss. Es ist nämlich auch nicht leicht, zu akzeptieren, dass Beziehungspflege bedeutet nicht nur egoistisch seinen Stiefel durchzuziehen.

Im nächsten Leben verbiete ich mir Liebesfilme. Ich werde keine Bücher mehr lesen. Keine Artikel über hoffnungsvolle Begegnungen und keine Horoskope! Versprochen.

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