LET’S TALK ABOUT ART

Mein Kunstverständnis beruht alleine auf meiner Lust nach Kunst. Weder kann ich namentlich viele große oder besser noch kleine KünstlerInnen nennen, geschweige ihnen ihre Werke zuordnen, noch mit fundierten wissenschaftlichen Kenntnissen aufwarten.

Da gibt es nur diese ewig große Liebe in mir. Zu Gefühlen und Ästhetik.

Hässliche Menschen fand ich schon immer faszinierend. Gescheiterte Existenzen. Verkrachte Geister. Menschen mit Geschichten.

Nicht umsonst fühlte ich mich Zeit meines Lebens immer zu melancholischen Musikern oder zynischen Männern hingezogen. Wenn sie ihr Leid oder ihre Erlebnisse in Kunst kleiden konnten, war ich selig. Ein gutes Gedicht, eine traurige Melodie, stundenlange Passion für ihre Musikgeräte. Habt ihr schonmal einen DJ beobachten können, der am Pult seiner TB-303 die kleinen Knöpfe dreht und befühlt? Magisch.

In Ausstellungen renne ich gerne alleine von Werk zu Werk und tausche mich anschließend höchstens im Selbstgespräch mit mir aus. Kunst, wie auch Kino, genieße ich lieber rauschend und einsam.

Musik mochte ich am liebsten, wenn ich sie alleine hören durfte. Wenn Partner musikalische Empfehlungen darboten, habe ich sie abgelehnt. Später aber noch über Jahre rauf und runtergespult.

Ich wuchs mit einem Bild von Bowie im Wohnzimmer auf. Er in Windeln, Jesus gleich. Ich war fasziniert von diesem androgynen Alien. Seine Musik begleitet mich noch heute. Nach seinem Tod weinte ich eine Woche wie ein Baby.

Als Jugendliche saß ich stundenlang in meinem Zimmer, vor mir die Staffelei. Ich malte mit Acrylfarben meine Kindheitserinnerungen, all die Traumata, in dunklen Farben nieder.

Als junge Frau studierte ich Grafikdesign. Da ging mir die Kunst verloren. Alles war mechanisch. Ich konnte dem Computer nichts abgewinnen. Mein Kopf war unfähig meine Gedanken per Mausklick zu übertragen.

Manchmal schreibe ich kleine Romane. Beziehungsweise beginne sie. Sie enden endlos.

Manchmal sehe ich ein Musikstück von Radiohead und weine. Ich übersetze die Texte, bin nie enttäuscht. Es gibt nur wenige Künstler, die in meinen Augen nichts falsch gemacht haben.

Meinen Kindern spiele ich wenig Musik vor. Wir haben keine Anlage. Nicht einmal einen Fernseher. Gelegentlich, oft wenn ich verliebt bin, kann ich nicht aufhören zu singen, zu tanzen und Musik durch die Wohnung schallen zu lassen.

Meine Kinder zeichnen viel. Karikaturen häufig. Ich sehe sie in mir und umgekehrt. Auf meiner Schule leite ich den Comickurs. Es erfüllt mich mit Freude, wenn sie mir nacheifern.

Ich kann nicht kochen. Für mich sind Köche Künstler. Aus etwas so banalem, wie Lebensmitteln, aus etwas existenziellem, etwas zu kreieren, was schmeckt und die Augen erfreut, mag mir nicht gelingen. Mir fehlt die Geduld. Und das Talent.

Mein großes Kind hat viele Talente. Auch keine Geduld. Er brachte sich selbst Klavier spielen bei und komponierte mit neun etwa zehn verschiedene Stücke. Ich musste so weinen, über ihre Schwere und Weichheit. Jetzt staubt das Keyboard vor sich hin.

Kunst kommt wohl von künstlich. Oder ist es umgekehrt? Es ist nicht natürlich. Es ist im Grunde nicht real.

Was gibt es realeres als Kunst? Was ist natürlicher, als der Drang sich über Schauspiel, Musik oder Malerei zum Ausdruck zu bringen? Zu singen, zu tanzen, zu basteln, zu kreieren.

Jemand der in der Lage ist etwas mit seinem Gefühl und seinen Händen zu schaffen, einen Tisch, eine Vase, ein aufgebocktes Fahrrad, ist genauso KünstlerIn, wie jemand der Gedanken in Worte bringt, die sich für andere fühlen lassen. Nachfühlen.

Ich liebe Kunst. Der Künstler wird geliebt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s