HEISS HEISS BABY

Heute war der beste Arbeitstag aller Zeiten. Eis essend, auf einer Bank sitzend, die Füße im Eimer und zufriedene Kinder die im Pool nebenan den Sommer feierten.

Wenn doch immer Sommerferien sein könnten.

Alle Kolleginnen und Kollegen haben gute Laune und niemand ist sich böse, wenn wir zwei bis vier Stunden eher in den Feierabend gehen. Sogar Früh- und Spätdienste sind begehrte Alternativen, während die Eltern ihre Kinder früher in den Sommerurlaub entführen. Ein Spaß für alle Beteiligten. Sozusagen win-win.

Natürlich ist das Gewissen nicht müde an die eigenen Kinder zu denken, die in ihren jeweiligen Einrichtungen schwitzen. Wer arbeitet, muss seine Kids nun einmal woanders betreuen lassen. In der Hoffnung mein Kind wird in der Kita ebenfalls mit Wasser und Eis versorgt, lässt es sich aber nur schwer darüber hinwegsehen, dass es verdammt heiß da draußen ist.

Dieses Wetter ist nichts für Alleinerziehende. Die Kinder können nicht woanders untergebracht werden und das Bauchgefühl sagt einem „du Rabenmutter!“. Mit zur Arbeit nehmen? Kaum eine Alternative. Die wenigsten Kinder wollen im Schulhort oder in der Kita sitzen. Sie wollen an den Badesee oder ins Bett. Manche bekommen Kopfschmerzen oder ihnen ist langweilig, da sie sich kaum drei Meter über den Hof bewegen können.

Eltern die arbeiten müssen, haben mit sechs Wochen Ferienzeit viel Kummer. Man möchte seine Kinder ja bespaßen und ihnen die Zeit im Kindergarten ersparen. Bei heißem Linseneintopf (ja, gab es vorgestern) oder in nichtklimatisierten Räumen.

Wer es sich leisten kann, macht Urlaub. Gemeinsam als Familie oder im Wechsel. Eine Woche Papa und eine Mama. Hauptsache die Kinder sind versorgt und das schlechte Gewissen endlich wieder beruhigt.

Alleinerziehende haben diesen Luxus nicht. Für sie bedeuten die Ferien immer eine Portion Extrastress. Morgens erklären zu müssen, wieso es dennoch schon um sieben in die Einrichtung geht, obwohl die Freunde doch jetzt alle ans Meer fliegen. Die Stullen schmieren und zu wissen, nachmittags kommt die Brotdose warm und labberig zurück. Sich fragen, ob das Kind eingecremt und mit Wasser versorgt wird, dabei den Blick stets auf das Telefon.

Mein Kind hatte zu Beginn der Ferien sofort einen Sonnenstich. Es trank zu wenig, aß bei der Hitze schlecht und wollte nicht baden. In unserer Einrichtung lag heute ebenfalls ein Kind flach. In dieser Woche nicht das einzige.

Wer Eltern und Kindern einen Gefallen tun möchte, schickt seine ArbeitnehmerInnen früher als üblich in den Feierabend, erlaubt Home-Office Tage und plant lieber mit Junggesellen als Eltern seine Ferienwochen. Da sind Flüge in den Urlaub sowieso teurer und überall flitzen Kinder durch die Anlagen.

Die Ferienzeit will genutzt werden und ein nervöser Arbeitnehmer ist kein produktiver Arbeitnehmer.

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