KOMPROMISSLOS

„Keine Kompromisse“ lautete ein Werbeslogan vor einigen Jahren.

Er grinste frech auf die Straße und hinterließ in mancherlei Hasenfuß sicherlich ein Gefühl von Bestätigung. „Why not?“, mögen sich viele gedacht haben und stiefelten selbstbewusst, mit einer Prise Narzissmus, nach Hause und offenbarten ihren Liebsten die Botschaft.

Keine- Kompromisse! Ich wiederhole: Keine! Kompromisse!

Und da saßen sie nun alle am Esstisch oder lümmelten auf dem Sofa und eine Ratlosigkeit brach aus, die vergleichbar ist mit dem Gefühl der Ohnmacht.

Wenn dir eine Werbung den Lifestyle unterjubeln will, du musst von nun an keine Rücksicht mehr auf andere nehmen, dich nirgends einschränken und zurückhalten und alles was du sagst oder tust einfach durchziehen. Muss ja stimmen.

Kompromisse waren bis dato nervtötend und die sich gegenüber stehenden Parteien waren sowieso nie ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Ein Kompromiss ist nun einmal kein Wunschkonzert. Jeder darf hier seine Idee in den Ring werfen und am Ende sollen alle Beteiligten möglichst in Frieden auseinander gehen. Zu wenig für den Kompromisslosen.

Dieser möchte als Sieger vom Platz gehen. Alles was auf eine Umstellung hinausläuft, kann sich nicht gut anfühlen. Ein Kompromiss ist ein fauler, immer. So denken sie.

Während also all diese Angefixten zu Hause ihre Autonomie erprobten, gab es sicher viele Tränen und manchmal bestimmt auch Blut. Wer lässt sich schon einfach so unterbuttern?

In Beziehungen sollte es Kompromisse geben. Auch im Berufsleben wünschen wir uns Möglichkeiten, jenseits von schwarz und weiß. Es muss Lösungen geben, die beide Partner glücklich machen.

Da aber liegt ja schon das Problem. Wenn ich mein Gegenüber nicht als PartnerIn, sondern Konkurrenz wahrnehme, werde ich mich immer schlechter gestellt sehen, es sei denn ich bleibe im Recht und jedes Handeln wird honoriert.

Suche ich mir einen Partner, käme ich nie auf die Idee alles was ich tue und sage für die eine absolute Wahrheit zu halten. Ich bräuchte niemand anderen, wenn ich nicht das Bedürfnis hätte zu wachsen, zu lernen und Erfahrungen gemeinsam zu machen. Jemand der mir bei allem applaudiert und niemals ein Veto einlegt, würde mich doch schnell langweilen.

Natürlich gibt es Menschen die sich nie mit sich selbst langweilen. Sie könnten im Grunde aber auch ohne PartnerIn leben. Wozu einen anderen Menschen an seiner Seite, wenn da gar kein Platz ist? Um sich zu bestätigen, braucht es keinen anderen. Wer sich für großartig und ausgereift hält, kann das auch alleine zelebrieren. Es sei denn…das Ego ist im Grunde eher klein.

Es lugt scheu unter einer Schicht gestelltem Selbstwert hervor und hofft nicht enttarnt und enttäuscht zu werden. „Bitte lass mich sein wie ich bin, denn ich habe ja nur mich!“, sagt es zitternd. Wer Angst vor Kritik hat, darf das Haus nie verlassen. Wer sich nicht entwickeln möchte, tritt auf der Stelle und verpasst eine Menge Leben.

Kompromisse sind wie der Schlüssel zu einer Welt voller Neuerungen. Ein Abenteuer. Ein über den Schatten-Springen.

Wer sich auf eine Lösung einlässt und sie nicht blockiert, ist die Lösung selbst. Eine Macht ohne Nachteile.

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