OH BOY

Niemand hat gesagt, dass es leicht wird. Im Gegenteil. Allerhöchstens hat man mir zaghaft angedeutet, Jungs seien in der Pubertät ein wenig leichter zu händeln als Mädchen.

Alles Blödsinn!

Während meine Pubertät eher mit Abwesenheit glänzte und meine Schwestern mir rückblickend auch eher entspannt, höchstens destruktiv und sonderbar vorgekommen waren, beweist mein eigener Spross in seinem zarten Alter schon groteske Züge einer Pubertät ,die ihrer Bedeutung alle Ehre macht.

Ja, ich liebe ihn und ja, ich weiß wir kommen da durch. Dennoch, keine leichte Zeit.

Wenn ich mir meine Freundinnen in ähnlicher Situation anschaue, beruhigt mich höchstens die Tatsache, nicht alleine damit umgehen zu müssen. Es gibt immer mindestens eine Freundin die zeitgleich Lust auf ein Glas Wein und ein Telefonat hat. Einige vielleicht sogar auf Auswanderung und Winterschlaf.

Meine Vorstellung von der Pubertät war immer die klischeebehaftete Idee, so ein junger Mensch würde ein bisschen grummelig und dann viel Zeit in seinem Zimmer verbringen. So sah meine Pubertät zumindest aus. Ich nahm fünfzehn Kilo zu, dachte ich sei Van Gogh und holzte zu trauriger Musik ganze Regenwälder ab.

Hier sieht es aber ganz anders aus. Die Realität hat mich mal wieder das fürchten gelehrt. Sicherheit ist eine schöne Hoffnung. Fühle dich nie zu sicher!

Ich möchte hier gar nicht ausführen wie mein Kind sich in dieser Lebensphase verhält. Das geht euch nichts an. Ich möchte eher auf die vollkommene Ahnungslosigkeit und Ohnmacht meiner Person hinweisen. Es ist zum brüllen komisch, wie ich in jede Falle tappe und mich dabei erwische, ständig das verkehrte zu sagen, zu tun oder zu lassen. Ich bin die uncoole Mama geworden, vor der schon Generationen zuvor gewarnt haben. Spießig, keine Ahnung was heute noch Trend ist und wo ich überhaupt gefragt bin, immer ein wenig drüber.

Ich lese in meinen Kindern sonst wie in Büchern. Pubertät macht sie zu und lässt den Schlüssel in Sichtweite drei Meter über dem Meeresboden schwimmen. Unerreichbar, sicherlich für eine Weile zumindest.

Ich muss schmunzeln, wenn ich mich von außen rückblickend betrachte. Was ich dummes sage und tue, wo ich Grenzen überschreite, weil ich hilflos um mich strampel. Mein Kind macht gar nichts falsch. Es ist einfach nur Mensch. Jetzt eben in einer speziellen Zeit seines Lebens.

Ich bin es, die nicht weiß wie da durch und dann die Geduld verliere. Manchmal werde ich laut. Manchmal könnte ich heulen. Oft murre ich schon, bevor wirklich etwas passiert ist.

Diese Ambivalenz, zwischen tiefer und inniger Mutterliebe und dem aufsteigenden Hass gegenüber all seiner Autonomie, dem sich von uns Erwachsenen lösen, bei zeitgleichem Versuch uns nachzuahmen, macht uns beide irre. Wie soll ein Kind verstehen, was ich als Erwachsene nicht begreifen kann?

Und so beginnt unsere Reise hier erst, aber wir sind bereits ausgelaugt von den ersten Kämpfen. Es wird ein spannendes Kapitel und zeigen, ob wir in der Lage sind danach gestärkt und liebend bleiben werden. Eventuell ist dieser Prozess der Abnabelung schneller vorbei, als ich diese Zeilen tippen kann. Vielleicht wird es noch viele Zeilen nach sich ziehen.

Ich wünsche mir am Ende dieser Entwicklungsphase für uns ein wunderbares Morgen. Gemeinsam und in Frieden.

Wenn mir nur jemand erklären könnte wie…

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