ICH BIN NICHT DEIN OPFER

Auf Twitter hat es die Bezeichnung Victim blaming zu großer Bekanntheit geschafft. Eine aussagekräftige Beschreibung, für die Umkehr von Schuld von TäterIn zu seinem oder anderen Opfern. Leider inzwischen auch häufig genutzte Phrase, um vermeintliche KritikerInnen in die Schranken zu weisen. Wer Opferstellungen kritisiert oder hinterfragt, ist zwangsläufig TäterIn.

So leicht empfinde ich es aber gar nicht. Jeder weiß für sich selbst, ob er sich als Opfer fühlt und fast niemand möchte die Rolle des Täters übernehmen.

Ich möchte aber auch kein Opfer sein. Es nicht nur natürlich nicht sein, sondern auch nicht von anderen als Opfer wahrgenommen werden.

So mögen Menschen mit Generalisierungen dazu aufrufen alle Männer in den einen und alle Frauen in den anderen Topf zu werfen. Die einen als Täter und die anderen als Opfer. Tatsächliche Fakten und rationale Zusammenhänge verschwurbeln zu einem Brei aus Beschuldigungen und Meinungsmache. Wer sich kritisch äußert, ist dagegen und wer sich dummerweise als Mann zu erkennen gibt, betreibt sofort mansplaining. Auch hier droht die Gefahr, Menschen über einen Kamm zu scheren und ihnen etwas abzusprechen oder anzudichten.

Aber zurück zur „Opferfrage“.

Bin ich Opfer? Und bleibe ich es?

Meiner Meinung nach nicht. Ich war Opfer. Opfer von Gewalt, Opfer von unfairen Entscheidungen, Opfer von Verbrechen, Opfer einer schlechten Erziehung usw. Ich möchte aber weder weiterhin als Opfer wahrgenommen werden, noch definiere ich mich über die Taten der anderen, die mir angetan wurden.

Dies bedeutet nicht, dass jeder die Stärke und Möglichkeit hat diesem zu entgehen. Es bedeutet auch nicht, das dem Täter/der Täterin etwas abgenommen wird (zum Beispiel die Schuld). So soll es lediglich bedeuten, dass wir uns niemals von dem was ein anderer uns angetan hat, einreden lassen sollen wer wir sind. Ohne die gemachten Erfahrungen wären wir ganz sicher ein anderer Mensch, aber auch mit gemachten Schicksalsschlägen, müssen wir uns unserer Vergangenheit nicht unterwerfen. Diese Macht gestehe ich meinen Dämonen niemals mehr zu. Es ist mein eines Leben und es ist meine eine Zukunft.

Wenn also andere online oder im realen Leben für sich und ihre Ängste sprechen wollen, gestehe ich ihnen das selbstverständlich vollkommen zu. Sich selbst aber mit anderen zu vergleichen und ihnen ihre eigenen Gefühle, ihre Wahrnehmung und ihre Haltung abzusprechen, missfällt mir.

Wer sich im Laufe seines Lebens mit seiner Vergangenheit versöhnen kann, ist ein wahrer Glückpilz. Nicht allen gelingt dies, das ist mir bewusst. Man kann niemandem einreden, die Vergangenheit zu verarbeiten oder sich so oder so verhalten zu müssen. Das Recht anderen aber einen Stempel aufzudrücken, der eigentlich nur von sich selbst für sich selbst ausgestellt werden dürfte, muss ganz einfach aber nicht sein. Reflexion ist so wichtig.

Ich bin kein Opfer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s