WENN DU EINDEUTIG ETWAS FALSCH GEMACHT HAST, BEI DER ERZIEHUNG DEINER KINDER

Ich liebe meine Kinder. Sie sind in meinen Augen großartige Menschen. Lebenslustig, emotional sehr intelligent, interessante Persönlichkeiten und charmant sowie witzig.

Es würde mir nicht im Traum einfallen, sie gegen andere Kinder einzutauschen und es gibt nichts, was ich ihnen dauerhaft nachtrüge.

Soweit zu mir.

Aber, schulisch ist das große Kind eine Katastrophe. Sowohl sein Sozialverhalten, als auch seine Noten, lassen immer wieder zu wünschen übrig. Es passt sich entweder zu sehr an (bei der Wahl seiner ungehobelten Freunde) und trifft dann dumme Entscheidungen oder es schwimmt ständig gegen den Strom (wenn es sich zum Beispiel gegen die LehrerInnen positioniert). Letztes Jahr war ich bestimmt bei drei Elterngesprächen und musste zwei Stunden erklären, wieso mein Kind einfach keine Lust hätte den Schulstoff zu lernen, obwohl es doch den ganzen Zauberlehrling auswendig aufsagen kann.

Ich weiß auch nicht, wie es zu Stande kam, dass mein anderes Kind mir zwar ein Ohr abkauen kann, aber jeden Morgen verstört in der Kita steht und keine Lust hat mit seinen Freunden und der Pädagogin zu reden.

Irgendwo auf unserem Weg, habe ich die Kontrolle abgegeben und mir gesagt, meine Kinder sind Menschen und keine Maschinen. Sie müssen weder funktionieren, noch bereiten sie mir tatsächlichen Kummer. Dass einzige was mich frustriert, ist die Erwartungshaltung der anderen.

LehrerInnen die uns sagen was falsch läuft. ErzieherInnen die darauf hinweisen, was mein Kind nicht kann, aber noch nie zu einem Entwicklungsgespräch eingeladen haben.

Mein vierjähriges Kind kann zum Beispiel seit einem halben Jahr alle Buchstaben lesen und schreiben. Es ist sehr sportlich und klettert bereits Boulderhallen durch. Mein großes Kind spielt Theater und macht StreetDance. Nachdem es Schach aufgegeben hatte („Drei Jahre reicht, Mama!“), konnte es sich dort verwirklichen.

Schulisch reißt es aber keinen vom Hocker. Stattdessen muss ich mich rechtfertigen und erklären, Köpfe aus Schlingen ziehen (besonders oft meinen) und zeigen, dass ich als Alleinerziehende keine Versagerin bin.

Ja, wohlmöglich waren die Trennungen für meine Kinder hart. Sie mussten sich öfter auf neue Menschen einstellen und haben häufig Verluste erlitten. Ja, wir haben lange finanziell gelitten, aber allen voran doch eher ich, da ich jeden Cent in die Kinder investieren konnte.

Ja, ich arbeite viel und bin abends oft müde. Aber mein Wohnzimmer ist immer offen, sie umringen mich und wir unternehmen viel gemeinsam. Lernen will das große Kind nicht, aber ich gehöre zu diesen Müttern, die sich dennoch immer hinsetzen und ungeduldig Mathe, Englisch und NaWi durchgehen, in der Hoffnung irgendwie wird der Groschen schon noch fallen.

Es ist hart zu wissen, dass die Kinder und ich in der Außenwahrnehmung nie genug sein werden. Als sei die Abwesenheit des zweiten Elternteils ein scharlachroter Buchstabe auf meiner Stirn „A“ wie Alleinerziehende. Als sei das jonglieren von Job und Familie nicht preisverdächtig, sondern ein Makel. Da fehlt eben der männliche Held, der meinen Kopf aus der Schlinge zieht.

Meistgehörter Satz seit vielen Jahren und einigen Beziehungen: dem Kind fehlt die Vaterfigur. Ja? Wo sind denn die Kandidaten für diese Aufgabe? Wenn ich als Mutter nicht genug bin, wieso übernehme ich dann alle Aufgaben überhaupt noch? Es sollte dann sowas wie eine Verwaltung geben, die neue Vaterfiguren zuteilt oder uns die Kinder besser gleich abnimmt: schwer erziehbar.

Alles in allem läuft es gut. Der Dank bleibt aus und ob die Kinder später zu sozialen MitbürgerInnen werden, wird sich erst zeigen. Liegen sie dem Staat auf der Tasche oder kriegen sie es alleine hin? Sind wir mal ehrlich. Nur darum geht es doch. Wer funktioniert, der macht niemanden unglücklich. Wer aus dem Rahmen fällt, muss sich anpassen.

Ich arbeite selbst im sozialen Bereich und höre jeden Tag die Lästereien:“Ach, die erzieht ihr Kind alleine, deshalb ist es wie es ist…“ Und jeden Tag muss ich kotzen, bei so viel Ignoranz.

Irgendwo auf der Welt wird es einen Ort geben, an dem die Anerkennung der Leistung von Alleinerziehenden größer ist, als deren Abwertung. Irgendwo auf der Welt, dürfen Kinder sein wie sie sind, ohne sich an ihren Noten und gesellschaftlich akzeptierten Verhaltensweisen messen lassen müssen.

Irgendwo da will ich mit ihnen sein.

6 Kommentare zu „WENN DU EINDEUTIG ETWAS FALSCH GEMACHT HAST, BEI DER ERZIEHUNG DEINER KINDER

  1. Eigentlich bist Du da doch schon – in Deinem Wohnzimmer, da wo sie dich umringen. Ja, das Urteil der anderen kann hart sein, aber: Scheiß was drauf! Die leben nicht Dein Leben, die wissen doch gar nicht, was abgeht. Das hast Du ja auch schon klar erkannt! Und mit allem anderen können die sich doch auch nur an die eigene Nase fassen! Bevor einer die Schnauze aufmacht, soll er dies was er anprangert, erst einmal selbst besser machen! Ich persönlich verneige mich vor den Menschen, die das alles schaffen, was Du schaffst. Der Rest der Menschheit soll an seiner Borniertheit eingehen!

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    1. Ach wie freundlich von dir. Ich teile diese Gedanken gerne, weil ich diesen Weg schon gehe und dahinter stehe, aber es nicht immer leicht ist und auf fünf Schritte vor, drei zurück folgen. Tröstlich, wenn andere so fühlen und denken wie du (und ich). 🙂 Hab einen schönen Abend.

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  2. In Mexiko in der Provinz mit den meisten Gewalttaten gibt es das was Du Dir erträumst: Eine Stadt in der die Frauen das Sagen haben. Ich werde recherchieren, wie der Ort heißt. Bis dahin Alles Liebe und Mut zum aufrechten Gang. Lies auch Dir selbst Deine Herzenswünsche von den Augen ab, das ist genauso gut wie dasselbe bei Deinen Kindern zu tun. Du tust das was Du tun kannst. Das ist genug. Alles Liebe wünscht Dir die Gärtnerin mit dem gruenen Daumen

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      1. Die Stadt heißt Juchitan im mexikanischen Bundesstaat Qaxaca. Ein Hörbild dazu kannst Du nachhören auf oe1.orf.at, viel Vergnügen beim Anhören und nichts wie hin nach Juchitan.

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