DIE LIEBE IN ZEITEN DER MÖGLICHKEITEN

Gestern war ich Teil des flirrenden Berliner Nachtlebens.

Ich zog mir meine Knackarschjeans an, die eigentlich einfach nur eine enge schwarze Jeans mit hohem Bund und Stretchanteil ist.

Dann ging ich raus in den Sommerabend. Eine Freundin und ein Kollege begleiteten mich, auf dem Weg zu anderen Freunden. Eine kleine Runde, bei der keine/r von uns seine PartnerIn bei hatte. Strohwitwen also.

Und während wir so durch die immer bunter werdende Stadt torkelten (Alkohol und Hitze), begannen die ersten zarten Flirtversuche seitens des Kollegens. Nichts dramatisches, alles im Rahmen.

Uns kreuzten zwei andere Menschen. Sie waren freundlich und aufgeschlossen, begleiteten uns ebenfalls ein paar Meter unseres Lebens und verschwanden in die Nacht. Nicht aber, ohne Komplimente zu machen.

Da Ego gestärkt, lachend und mit glühenden Augen, kamen wir in einer Bar an. Zu sechst setzten wir die Exzesse fort, bis die Ehefrau meines Freundes sich nach Hause verabschiedete. Lächelnd, entspannt, ohne einen Ansatz der Unsicherheit im Blick. Erst heute früh merkte ich, wie interessant ich diese Haltung finde. Ihr Partner umringt von vielen schönen Singles, gegen ihrer Sicherheit, dass die Ehe eine stabile sei.

Als wir uns irgendwann entschieden Richtung Heimat zu wanken, trafen wir viele neue Leute. Frauen hauptsächlich. Schöne Menschen, interessante Menschen und gesprächige Menschen.

Alles flirtete, lachte und wirkte. Wäre ich Single gewesen, hätte ich es nicht länger sein müssen. Der Sommer und die Stadt machen was sie sollen.

In der S-Bahn fuhren der Kollege und ich dann alleine los. Er bot an mich mit sich nach Hause zu nehmen und ich verneinte geschmeichelt. Für mich war ganz klar, wo ich tausend Mal lieber sein würde. In meinem Hafen.

Im Bett liegend, dachte ich nicht mehr viel daran, aber am nächsten Tag fragten die Freunde sofort neugierig wie und ob etwas gelaufen sei.

Sagen zu können:“Da war gar nichts und ich bin glücklich fest vergeben.“, gehört in den Berliner Nächten zur Seltenheit. Es gibt einfach zu viele Angebote und Verlockungen. Zu viele Menschen, schöne, interessante und gesprächige.

Wer in dieser Stadt Single ist, ist es bereitwillig, wenn der Markt nur Irre hergibt oder ist es unfreiwillig, weil der Markt nur Irre hergibt. Die guten und treuen Menschen, sind selten und ziehen auf’s Land (Achtung:eine Übertreibung!).

Wenn Berlin einem verspricht über Nacht nicht alleine nach Hause zu müssen, dann hält es dieses Versprechen. Berlin macht aus einsamen Singles, zweisame Singles. Gemeinsam kann man die Nacht verlassen und am nächsten Morgen verstohlen feststellen, ob man wenigstens ein Kondom benutzt hat oder sich mit Tripper angesteckt.

Berlin bietet wie Tinder und Co. viele Möglichkeiten. Statt zu wischen, muss man nur einen Fuß vor den anderen setzen. Statt zu suchen, wird man gefunden. Wer da nicht Willensstärke beweist, wird von der Stadt und dem Angebot verschlungen. Don’t mess with my partner-funktioniert hier nicht. Es wird immer eine/n Bessere/n geben.

Wie man dem entgeht, bleibt am Ende selbst überlassen. Ob man dem entgehen möchte, natürlich auch.

Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Beziehung dem entgangen ist. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man in diesem Bienenstock von Stadt, im besten Alter für Unsinn, weiß wer sein Hafen ist

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