DES DEUTSCHEN LIEBSTES

Jetzt möge man denken, ich schreibe hier über Autos, aber nein. Es geht um Alkohol.

Während noch immer der Konsum von sogenannten harten Drogen illegal ist und die Gesetzeslage sich eindeutig gegen das Rauchen von Gras positioniert, gehört Alkohol immer und überall dazu.

Alkohol symbolisiert Freiheit, Genuss und Vergnügen. Selbst Zigaretten haben mittlerweile einen schlechteren Ruf, werden an öffentlichen Plätzen geächtet und das Rauchen verboten. Wieso aber nicht Alkohol?

Schon Kinder machen ihre erste Erfahrung mit Alkohol sehr zeitig. Das ist nicht neu und die Ausweitung harten Alkohol erst ab 18 statt 16 auszuschenken, brachte wenig bei der Bewusstseinserweiterung der Konsumenten.

Alkohol gehört auf Instagram zum guten Ton. Fotos von Müttern in der Badewanne, die sich ohne jeden Anlass Weinschorle hinter die Binde kippen. Väter die zum Grillabend mit ordentlich Bier ihren Durst löschen und Jugendliche, die ihre ersten Partyerfahrungen alkoholisiert machen.

Obwohl wir uns inzwischen glauben gesünder und bewusster zu ernähren, trinken wir noch immer viel zu viel von dem bitteren Gift.

Mit Freundinnen einen gemütlichen Abend zu verbringen, heißt übersetzt fast immer: sich mit Wein zuzuschütten.

Ausflüge ins Grüne werden mit Alkohol begossen. Männertage sind ganze Orgien.

Alles in allem kann jeder tun und lassen was ihm gefällt. Alkohol kann Spaß machen und lockert steife Runden auf. Der gefrustete Arbeitnehmer oder die schüchterne Bekanntschaft, sie alle greifen lieber zum Alkohol, um sich wohler zu fühlen.

Dabei ist der Alkoholkonsum schneller eine Sucht, als ihnen bewusst wird. Sie trinken aus den unterschiedlichsten Gründen und landen fast alle irgendwann bei dem Ergebnis: zu viel tut meinem Körper nicht gut.

Alleine in meinem Freundeskreis kenne ich zwei Alkoholiker. Und das sind nur die, die es sich und anderen eingestehen.

Die anderen gelten als GelegenheitstrinkerInnen. Sie heben ihr Glas allerdings zu allen sich bietenden Gelegenheiten.

Ich frage mich oft, warum auf Schulfeiern meiner Kinder Alkohol angeboten wird, obwohl die Kinder laut Gesetz nicht an alkoholisierte Eltern herausgegeben werden dürften.

Ich frage mich oft, warum Alleinerziehende sich abends Wein und Sekt eingießen, obwohl sie ganz offensichtlich eigentlich eher einsam und gelangweilt sind. Die Verantwortung gegenüber ihren schlafenden Kindern mal ganz außen vor.

Warum hat Alkohol es nicht auf die Rote Liste geschafft? Wofür wird Alkohol so stabil hochgehalten? Opium für’s Volk? Günstig zu haben und die einzige Freizeitbeschäftigung der Massen? Etwas worauf sich alle mehr oder minder einigen können? Bindeglied zwischen Menschen die sich eigentlich nichts zu sagen hätten? Seelentröster? Erlöser? Sanitäter in der Not?

Es ist schwer zu verstehen, in einer Gesellschaft die sich permanent optimieren möchte und Erwartungen an sich und ihre Umwelt stellt, die Turmhöhe erreichen.

Wer sich getreu dem Motto jetzt denkt:“Na und, jedem Tierchen sein (reimen wir es doch gleich so treffend) Bierchen.“, der hat ja Recht.

Dies sollte aber dann im Prinzip für fast alles gelten. Alkohol schadet einem selbst und viel zu häufig auch anderen. Kindern sind wir keine Vorbilder, zumindest keine sehr guten. Unfälle werden noch viel zu oft unter dem Einfluss dieser Droge verursacht und dumme Entscheidungen treffen sich grotesk schnell.

Alkoholkonsum schädigt längerfristig Seele und Körper. Er ist nicht harmloser als Gras oder andere Drogen und hält niemals dauerhaft was er verspricht. Wer sich dieser Verantwortung nicht stellen will, sollte sich prinzipiell einfach fragen, ob er überhaupt irgendwas anprangern darf und ob er seinen Körper wirklich so lieb hat, wie er glaubt.

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