JE HÖHER HINAUS, UMSO TIEFER DER FALL

Es war schon immer so, Idole wurden hochgelobt und verehrt, man hat sich in ihrem Licht gesonnt und maßlos überschätzt, um sie dann aufgrund der üblichen menschlichen Schwächen wieder fallenzulassen.

Jemanden auf einen Thron zu setzen und ihn danach als abgehoben, anstrengend oder schon immer blöd zu bezeichnen, ist eine sehr typische und vielleicht auch deutsche Eigenschaft.

Wir betrachten jemanden gerne, so lange wir uns in ihm oder ihr wiederfinden. Erkennen wir uns nicht in der anderen Person wieder, löst sich unsere Verbindung. Was machen wir daraus? Den anderen zerreißen oder meiden.

Jemanden zu meiden, mag erstmal weniger dramatisch klingen, als ihn zu belatschen. Aber auch schlechte Presse ist Presse und Aufmerksamkeit schafft das Gefühl noch wer zu sein. Sich aber abzuwenden und das, obwohl der andere sich so bemüht weiterhin gesehen und geliebt zu werden, ist großes Kino. Ein Drama in vielen Akten.

OnlinerInnen lernen dieses Gefühl der Kurzlebigkeit jetzt seit ein paar Jahren auch kennen. Waren es früher hauptsächlich PolitikerInnen, SängerInnen oder SchauspielerInnen, also Menschen die tatsächlich lange und viel für ihren Erfolg leisten mussten und von vorneherein immer schon ein bisschen unnahbarer wirkten, so ist das heute anders.

Eltern öffnen sich online, machen sich gläsern und angreifbar. Eben waren sie Vorbild, plötzlich sind sie unverantwortlich.

Frauen machen sich nackig. Eben waren sie sexy, stark und hochgelobte Trendsetterinnen, plötzlich schwankt ihr Gewicht und sie können sich dem Bodyshaming nicht mehr entziehen.

Menschen die Jahre lang beherzt zur Kamera griffen und jeden einzelnen Schritt, Kauf und diverse Tipps preisgaben, sehen sich Klagewellen unterzogen oder verlieren Follower, weil sie plötzlich alles zu Hauf markieren würden.

Es ist klar sichtbar, wer online etwas darstellen will, läuft Gefahr sich zu verlaufen.

Will ich authentisch sein und nehme weniger Follower in Kauf oder möchte ich Geld verdienen und erkaufe mir Klicks? Möchte ich schnell meine Meinung preisgeben oder habe ich meine Impulse nicht unter Kontrolle, weshalb ich mich öffentlich zum Idioten mache?

Bin ich noch ich, wenn ich in ein Medium eintauche, welches von früh bis spät wach ist oder lässt mich dieses nie in Ruhe, um mich zu entwickeln?

Wer bin ich online und wer bin ich offline? Werde ich mich spalten, um mich nicht verletzen zu lassen oder kann ich mit Kritik umgehen?

Es ist eine große Verantwortung, der sich die Leute stellen. Oftmals freiwillig zu Beginn, mit viel Freude an dem was sie tun. Später wird es zum Spießrutenlauf, wenn es nicht gelingt sich abzugrenzen.

Schuld sind niemals alleine die Protagonisten. Sie tragen aber dazu bei sich in ein Glashaus zu stellen, von dem aus sie leicht mit Steinen beworfen werden können.

Etwas menschliches im anderen zu bewahren, ist die Aufgabe der Betrachter. Sie sind es, die den anderen haben hochgehoben. Ihre Macht zu missbrauchen und ihn wieder fallenzulassen, sollte sie beschämen.

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