BIN ICH SCHÖN?

Dieses Wochenende habe ich zum ersten Mal seit Jahren nur in Unterwäsche vor meinem Partner gestanden. Erst spielten wir im Grünen Badminton und dann habe ich heute Morgen den Kaffee halbnackt zubereitet. Dabei stand er etwa fünf Minuten hinter mir und hatte volle Kanne Aussicht auf meine Schwabbelstellen, wie ich sie lieblos nenne.

Als ich ihn dabei ertappte, versteckte ich mich verschämt und jaulte auf wie eine 13 Jährige. Zugegeben, eine 13 Jährige mit Figurproblem oder Wahrnehmungsstörungen.

Ich bin sehr schlank. Die Schwangerschaften habe ihre Streifen und Spuren hinterlassen und mit Anfang dreißig und nach unzähligen Diäten, sehe ich eben aus wie ich aussehe. Es war ein Kampf mich überhaupt je wieder auszuziehen am Strand schnell ins Wasser, sonst lag ich eher rum. Meine Freundinnen, ob sehr dünn oder sehr trainiert, lebten mir vor, ich sei hübsch, aber eben nicht fit. Fitness scheint etwas greifbares wie der Besitz eines Sixpacks oder straffer Haut zu sein. Genetik spielt dabei in so mancher Welt keine Rolle. Ich ernähre mich bewusst und gesund, mache Sport, bin aber einfach schon immer eher weiblich und weich. Fine by me. Ich fühle mich nicht hässlich. Allerdings auch nicht vorzeigbar.

Dies sollte sich scheinbar jetzt ändern, denn seit einiger Zeit meide ich Instagram, heule nicht mehr der Figur einer Teenagerin nach und merke auch langsam, dass ich im Sommer schwitze. Mir ist heiß, ich möchte mich also nicht einschränken.

Und wenn der Mann mich so nicht mag wie ich aussehe und ich mich selbst immer verhüllen muss, ist er doch ein Spinner oder sollte überdenken, ob ich da die richtige Frau an seiner Seite sei.

Es ist ja auch ein bisschen wie mit der Glatzenbildung beim Mann. Manche ereilt es früh, andere später und nur wenige bleiben verschont. Würde ich meinen Partner dafür aufgeben? Unwahrscheinlich. Würde er zehn Kilo zunehmen und ich ihn dann verlassen? Nö, wieso? Er gefällt mir natürlich wie er ist, aber auch das ist auf Dauer eben nicht haltbar. Kein Mensch ist sein eigener Standard. Es wird sich verändert wo es nur geht. Vieles entwickelt sich weiter und einiges eben nach unten. Danke Schwerkraft.

Ich denke, wenn ich wirklich etwas bereue, dann nicht die 30 kg Schwangerschaftsspeck, sondern mein Verzicht auf Freibad und Sex bei Tageslicht.

Mein Körper ist so makellos wie der jeder anderen Person, nämlich gar nicht. Ich lebe gut und gerne noch ein paar Jahrzehnte und möchte das feiern, würdigen und bewusst genießen. Dazu soll nicht mehr gehören, mich selbst zu hassen oder unter Druck zu setzen.

Mein Körper gehört zu mir, wie meine Lebenslust und all das was ich und er untrennbar miteinander geleistet haben. Er gebar mir zwei Kinder, führte mich durch eine Essstörung, gab mich trotz angeborenem Nierenleiden nie auf. Er ist fit für den Strand, das Bett, einen Partner und viele Abenteuer – angezogen oder nackt.

Viva la Schwabbelstelle! Und das meine ich voller Liebe.

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