BEZAHLEN SIE MEINE RECHNUNG, BITTE!

Es ist wie es ist. Alleinerziehend zu sein stinkt auf so vielen Ebenen. Und dennoch, ich lasse mir ungern etwas schenken und Spenden benötigt es auch noch nicht.

Ich zahle alleine eine 3-Zimmerwohnungsmiete, Strom und Wasser inbegriffen. Zwei Handys wollen regelmäßig unterhalten werden und natürlich braucht es regelmäßig Kleidung, Schulzeug, Essen und Dinge des täglichen Bedarfs. Überall zwickt es und manchmal, wenn die Waschmaschine nach zehn Jahren den Geist aufgibt oder mein großes Kind gerne verreisen will, wird gespart.

Mein größter Luxus waren lange die Badewanne im Winter zu nutzen und mir täglich einen Kaffee unterwegs zu kaufen. Ratet was ich nicht mehr mache? Genau. Und wofür? Weil ich für eine Woche Sommerurlaub an der Ostsee spare.

Ja, es ist hart und ja es macht noch weniger Spaß, weil ich arbeite, keinen Unterhalt für meinen jüngsten Sohn bekomme und weiß, es wird sich nicht so schnell ändern. Als Frau, insbesondere Alleinerziehende, ist man eben gefickt (Verzeihung).

Nur was bringt es mir dieses Schild ständig hochzuhalten?

Vor ein paar Monaten haben sich Eltern, insbesondere Alleinerziehende, auf Twitter mit mutigen Hashtags Gehör verschaffen wollen und über die unschönen Seiten des Elternseins geäußert. Es wurde geklagt, gejammert, sich Mut gemacht und gegenseitig gezeigt „Wir sitzen irgendwie im selben Boot“.

Manche kritisierten sofort, unsere Kinder könnten diese negative Presse lesen und daran Schaden nehmen. Andere waren geschockt, ob der Ehrlichkeit und fühlten sich ertappt.

Eine Leserin, schrieb damals, sie sei traurig, weil Kinder zu haben eben auch bedeutet ihnen nicht zu zeigen wie scheiße anstrengend dieser Job doch ist. Es sei keine Arbeit, es sei eine bewusste Entscheidung für’s Leben. Alles richtig und gut. Dennoch, diese Menschen und ihre Probleme sind real. Sie sind echt und nicht wegzureden. Wer auf sie aufmerksam machen will, in der Hoffnung die Wahrnehmung der anderen würde auch tatsächlich etwas positiv beeinflussen, soll das tun. Kinder sind großartig. Sie zu bekommen und sich wirklich gerne mit ihnen auseinander zu setzen, ist der einzig richtige Weg.

Wer aber fängt das alles auf? Der Staat? Die Familie? Die Freunde? Die Schule und Kita? Wer bezahlt die Rechnungen und wer kümmert sich, wenn jemand krank wird? Wo unterstützt man den anderen und wo hält man sich zurück?

Alleinerziehend zu sein, bedeutet sich klar von jemandem getrennt zu haben, der eigentlich hilfreich gewesen wäre. Der finanziell geteilt hätte, stabilisiert. Jemand der gerecht abnimmt und sich beteiligt. Jemand der da ist. Eigentlich.

Alleinerziehend zu sein, ist weder mutig noch selbst verschuldet. Es ist passiert. Und es ist furchtbar. Die wenigsten Alleinerziehenden kommen klar. Ist es finanziell keine Katastrophe, dann eben das Zeitmanagement. Wird die Mutter krank, braucht es eigentlich noch einen zweiten Elternteil.

Familien schrumpfen. Viele Menschen ziehen in andere Städte. Sie verlieren den Anschluss an die Eltern und somit Großeltern. Viele Städte sind anonym. So wird der Kontakt zu anderen seltener. Wer in einer prekären Situation ist (Kind oder man selbst mit Beeinträchtigungen zum Beispiel, Arbeitslosigkeit usw.), wird sogar noch weniger wahrgenommen. Höchstens als störend. Und so sumpft es sich langsam in einen Abgrund.

Wenn man sich früher für eine Familie entschieden hat, gingen zwei Menschen davon aus auch hinter diesem Entschluss zu stehen. Mit der Emanzipation, die die einzig richtige Lösung war, kamen aber auch nicht nur große Durchbrüche und Vorteile zu Tage, sondern auch eine Menge Möglichkeiten für Männer zu sagen „Tschüss, ich bin weg!“.

Alleinerziehende sind häufiger Frauen als Männer. Frauen die weniger arbeiten und Geld einbringen. Frauen die um Geld geprellt werden und die Kinder größtenteils alleine großziehen müssen. Frauen, die gar nicht wissen wie sie Miete, Essen, Urlaube und Anschaffungen unter den Hut bekommen werden und deshalb wochenlang verzichten. Lieber keinen Kaffee, lieber kein Mittagessen. Der Wunsch nach einem Kind ist oft ein natürlicher. Der Wunsch das Kind alleine durchzubringen, eher nicht.

Niemand sagt es sei leicht. Niemand sagt einem wie es wirklich ist. Es ist eine Situation, in die man manchmal unüberlegt stolpert und manchmal geplant dennoch versagt.

Geld ist eine Hürde, die, wenn man keines hat, Leben kosten kann. Alleinerziehende sind davon täglich bedroht. Trotz Arbeit, trotz all dieser Mühe. Es ist möglich ohne andere da durchzukommen. Es ist auch möglich den Angriff eines Wolfes zu überleben.

Soll sagen: ja, alleine geht es. Manchmal gut, manchmal besser. Die Realität vieler sieht aber anders aus. Das Leben ist teuer und es darf sichtbar gemacht werden. Miete, Essen, Kleidung, Materialien und sowas wie Freizeit. Alles kostet. Nichts ist umsonst.

Es mag wie betteln erscheinen und es ist nicht jede Lösung die richtige (braucht es eine Wishlist, um sich wie besessen jeden Schrott anzuschaffen?), aber es zeigt nur wo es hakt. An einem System, welches Kinder produziert wie Fließbandprodukte, ohne dafür zu sorgen diese auch groß zu bekommen. Niemand kann uns diese „Arbeit“ abnehmen und niemand ist verpflichtet meine Entscheidung für ein Leben mitzutragen. Es sollte aber auch niemand wegsehen und mir die Verantwortung alleine überhelfen. Wir sind Menschen. Menschen sind Herdentiere.

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