WIE ERNÄHREN WIR UNSERE KINDER

Zu Beginn möchte ich schreiben, dass ich meine Kinder und mich weder vegan noch ausschließlich vegetarisch ernähre. Darum soll es hier nicht gehen. Ich selbst habe eine bedingt durch Langzeitantibiotikatherapien entstandene Fruktoseintoleranz und muss bei meiner Ernährung bestimmte Dinge weglassen oder beachten.

Aber wie ernähre ich meine Kinder, worin bin ich Vorbild und gibt es bei uns Grenzen?

Als Kind fehlte es mir lange an Süßigkeiten. Ich kam aus dem ehemaligen Osten Berlins und wuchs in einer typischen Patchwork-Arbeiterfamilie auf. Es gab Essen, aber wenig Süßkram.

Mit der Pubertät und Einzug der westlichen Konsumgesellschaft, steuerte ich in eine kleine Sinnkrise. Essen war nun im Übermaß vorhanden und ich bekam regelmäßig Taschengeld, mir Snacks auf dem Heimweg zu kaufen. Heimlich, versteht sich.

Ich wurde immer dicker und träger. Sport mochte ich sowieso nicht und saß lieber stundenlang an der Staffelei,um zu malen. Mein Bauch wuchs, ich bekam bereits mit 12/13 einen umfangreichen Brustumfang und Akne. Meine Mutter steuerte, aus schlechtem Gewissen nach Jahren des Verzichts, auch nicht dagegen. Sie ließ uns Kinder naschen, kaufte kräftig nach und ignorierte meinen Körper, so wie ich es tat.

Erst als ich älter war und die Mitmenschen gemeiner wurden, machte ich mir Gedanken und begann die ersten Diäten. Es sollten bis heute unzählige folgen. Genau wie eine Essstörung, die nur durch viele Therapien und ganz viel eigener Kraft eingedämmt wurde.

Tja und so sieht es jetzt auch überall sonst aus. Eltern übernehmen wenig bis keine Verantwortung für die Ernährung ihrer Kinder. Zwischen strickten Verboten bishin zu einer Brotdose, die randvoll mit Snacks statt Broten ist, findet sich alles wieder – außer normal. Extreme scheinen dem Menschen mehr Befriedigung zu geben, als schnöde Einfachheit.

Man muss sein Kind nicht auf Diät setzen und ihm schon in jungen Jahren alles verbieten. Vielleicht sogar Allergien vorschieben oder Unverträglichkeiten einreden. Verzicht kann (nicht muss!) wie bei mir zu späterer Völlerei führen. Verzicht macht Möglichkeiten nämlich verführerisch. Verbote sowieso.

Seinem Kind allerdings unkontrolliert und unkritisch alles in die Brotbüchse zu hauen, was der Supermarkt hergab, hilft auch nicht. Zucker ist jetzt schon Suchtmittel Nummer eins. Salze, Zusatzstoffe und Konservierungsmittel finden sich überall wieder.

Zwischen beiden Extremen liegt jedoch eine Welt, die es uns ermöglicht Kinder gesund, bewusst und lustvoll zu ernähren.

Obst und Gemüse sollten dabei ein großer Bestandteil werden. Dafür ist es gut zu wissen, in einem Land des Überflusses zu leben. Für 90 Cent eine Packung Physalis zu erhalten, Avocados für einen Euro und Fenchel für genauso wenig, macht doch schon beim Nachdenken Spaß. Kinder lieben sowas. Bunt, spannender Geruch sowie Geschmack. Für Kinder ein Genuss. Wenn man sie mitnimmt zum einkaufen, sind sie meist sogar mutiger als die Erwachsenen und kaufen plötzlich Feigen, diversen Kohl oder essbaren Blumensalat ein.

Natürlich mögen Obst und Gemüse sowie Bio-Essen erstmal auch teurer erscheinen, aber nur für jene, die im Supermarkt auch tatsächlich die Süßwarenabteilung bewusst meidet, wegen der gepfefferten Preise. Schokoriegel der Markenfirmen sind oftmals deutlich teuerer als ein Korb Obst. In der Regel greift es sich aber so schön zu den Verpackungen und da liegt auch schon das nächste Problem. Verpackung ist Müll und wir geben unseren Kids mit auf den Weg: Wegwerfgesellschaft ist okay!

Will man also Geld sparen und später auch an Diäten, Therapien und Arztbesuch, ernährt man sich und sein Kind einfach gesünder.

Jeden Tag einen Kaffee unterwegs zu kaufen, dazu Kuchen, Eis oder Burger, geht auf Dauer eben ins Geld und auf die Hüften.

Wenn ich so manche/n Alleinerziehende/n sehe, die sich über ihre zurecht desaströse Finanzlage beklagt, aber in den Kühlschrank oder auf ihren Instagramkanal schaue, weiß ich nicht was ich sagen soll.

Es scheint, als habe man sich irgendwann einreden lassen, Zucker sei die Droge des kleinen Menschen. Jeder der einen Scheißtag hat, isst erstmal was. Würden wir das mit Alkohol machen, hätten wir alle bald ein Problem.

Jeder der Frust erfahren hat, greift zum Glimmstängel oder einer Tafel Schokolade. Essen als Wohlfühlprogramm. Essen als Heilmittel. Und so ernähren wir unsere Kinder ebenfalls nicht des Ernährens wegen, sondern um sie zu belohnen, zu beruhigen oder zu beschäftigen. Es wird immer seltener gemeinsam gekocht und gegessen, sondern Ernährung erfolgt als Snack zwischen anderen Aktivitäten.

Hat man früher Brettspiele gespielt oder sich unterhalten, wird Netflix angemacht und sich auf dem Sofa vollgestopft.

War früher der Ausflug in Park und Museum ein Highlight, ist es heute die Pizzeria und der Dönerladen usw. Essen als Kulturprogramm für Großstädter.

Und während da draußen immer mehr Kinder verlernen was die Freude an Essen tatsächlich bedeuten kann (lustvoll schmecken und riechen, gemeinsam etwas zuzubereiten und sich danach freudig hermachen), lehnen wir uns als Eltern zurück und schließen die Augen.

Fettleibigkeit ist nicht das Problem. Es ist diese Ignoranz der Erwachsenen, ihren Kindern Vorbild sein zu müssen. Die Unlust, sich mit den Kindern und sich selbst tatsächlich zu beschäftigen. Unbedacht ihre Kinder in die Schule zu schicken und nicht zu realisieren, dass ein Schultag lang und hart ist und Zucker ihn länger und härter macht (auch für die Pädagogen).

Es wäre an den Erwachsenen, den eigenen Mangel an irgendetwas, nicht durch den Erwerb des vielleicht einzigen Luxusproduktes (welches sie sich glauben leisten zu können) aufzuwiegen.

Essen ist wichtig. Essen muss man, sonst stirbt man (altes Sprichwort). Aber sich bewusst mit dem Thema auseinander zu setzen (nicht in Form von Diätmitteln und Detoxtee), hilft so ungemein und spart später und schon heute eine Menge Frust, Gewicht und Geld.

Das schreibt eine, die nach ca. 20 Jahren Diät die Verantwortung übernimmt ihre Kinder nicht in gleiche Abgründe laufen zu lassen

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