MÄDCHEN AUS DEM INTERNET

Normalerweise verwende ich den Begriff Mädchen nur noch für Kinder die sind tatsächlich dem weiblichen Geschlecht oder Gefühl zuordnen lassen wollen und ihres Alters entsprechend noch keine Frauen sind.

Frauen im Internet bezeichnen sich gehäuft als Mädchen, Fräulein oder Mädel und auch das englische Wort Girl findet sich wieder.

Wenn man aber weiß wo das Wort Mädchen seinen Ursprung hat, fühlt man sich als Frau vielleicht gar nicht mehr so davon angesprochen. Weder bin ich Magd, noch gebe ich mich als unverheiratete Frau zu erkennen. Fräulein nannte ich mich auch unglaublich gerne, bedient aber den gleichen Tenor, keine rechte Frau und auch kein Kind mehr…na dann eben eine kleine Frau.

Egal, ich schweife ab. In diesem Text arbeite ich mich mal wieder an etwas, bzw. jemandem ab. Frauen. Genauer, Frauen die online tagtäglich so viel zu sagen, bieten oder erreichen vermögen, es aber nicht tun.

Stattdessen setzen sie auf ihr hübsches Aussehen und greifen lieber hier und da oberflächliches Lob und Anerkennung ab.

Auch ich war davon wie besessen. Habe ich auf Instagram lange mein junges und zugegeben ganz hübsches Gesicht in die Kamera gehalten? Klar! Hier ein Selfie und da ein Schnappschuss. Ich bin fotogen, also immer her mit der passenden Gelegenheit das unter Beweis zu stellen.

Was brachte es mir aber? Meist habe ich mir noch die Mühe gemacht irgendeine nette, oft ironische Botschaft unter die Bilder zu klemmen. Das war’s aber auch schon. Keine intellektuellen Zitate großer Meister, keine Weltretterbotschaften, keine Hashtags und Werbeanzeigen.

Einfach nur ich und mein Ego. Es muss so klein und bedürftig wie die Menge meiner Bilder hoch gewesen sein. Unter den Bildern ein paar Likes und Kommentare, von tatsächlich echten Freunden und Freundinnen und manchmal meiner Mama.

Man tat das gut.

Aber was dann? Wie lange hält sich ein hübsches Gesicht? Wie lange hält sich ein schlanker Körper? Wie wichtig ist das überhaupt?

Eben.

Und wenn ich sie sehe, die schlauen und emanzipierten Frauen, die so viel sagen könnten und es doch nicht tun, bin ich geknickt.

Sie halten lieber ihre Beine, ihre Gesichter, ihre Körper vor die Linse und warten auf Applaus. Applaus für ein bisschen Fassade. Filter gaukeln ja auch mehr vor, als das sie reale Welten abbilden.

Weil das aber nicht genug ist, einmal Applaus reicht eben nicht, wird auch überlegt wie man immer mehr Klicks erreichen kann und versieht die Fotos wie zufällig mit passenden Hashtags: legs, naked, nude, sexy usw. Hier geht es also nicht mehr um die Selbstbestimmung der Frau, wie man sich vielleicht kurz vorher noch weismachen konnte…oder eine Art künstlerische Entfaltung…es geht um Bestätigung. Einzig und allein, um das Ego zu füttern, welches aus irgendeinem Grund vermutlich in der Kindheit wenig Futter bekam.

Es bleibt jedem selbst überlassen wie er seine Profile schmückt. Es bleibt allen überlassen, wie und ob sie sich rechtfertigen. Es bleibt eine eigene Sache, aber es färbt auf ein Frauenbild ab, welches uns nicht gerecht wird.

Wir sind kein schmückendes Beiwerk und wir sind mehr als unser Aussehen. Unser Aussehen wird uns nicht bleiben. Es bleiben unsere Stimme, unser Kopf und Geist. Und unsere Taten.

Wir sind weder kleine Mädchen, noch fehlt es uns an Themen und Möglichkeiten. Manche von uns sind nur wahrlich nicht kreativ darin diese endlich auch zu nutzen.

Statt sich ewig auf unsere Optik und die Waffen der Frauen zu verlassen, sollten wir es uns zur Aufgabe machen unser Bild in der Öffentlichkeit gerade zu rücken. Raus aus der ewig gestrigen Rolle.

Heute fragte mein Sohn mich übrigens, warum wir Frauen uns die Beine rasieren „müssten“.

„Gesellschaftliche Konventionen und kulturelle Trends oder so…“,murmelte ich. Mein Freund lachte und bestätigte hier handelt es sich um kulturell bedingte Normen. Mein Sohn zuckte die Achseln und meinte nur „Frau sein, muss ja nerven.“

Recht hat er. Zumindest oft.

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