WARUM GRUPPEN UNS ÄNGSTIGEN KÖNNEN

Heute habe ich, wie viele von uns, diverse Artikel und die polizeiliche Rückmeldung aus Köln gelesen. Ein Vorfall der so von den Unschuldigen bisher meines Wissens noch nicht bestätigt oder verneint wurde. Um sich ein richtiges Bild zu machen, müsste man diese mindestens einbeziehen.

Ich habe mir die Mühe (oder den Fehler) gemacht und die Kommentare unter den Artikeln gelesen. Manche waren wohlwollend gegenüber der Polizei und viele diskriminierten die jungen Männer.

Junge Männer. Junge Männer in Gruppen. Gruppen.

Ich weiß nicht, ob Medien ihren Anteil einfach erheblich geleistet haben oder ob eigene Instinkte schon immer Angst geschürt haben, wo keine sein müsste, aber….

Prinzipiell habe ich immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich an einer großen Gruppe Halbstarker vorbeilaufen muss. Abends ist es schlimmer als tagsüber und im Park oder auf einsamen Wegen auch nicht wegzudenken. Die Logik setzt aus und das Bauchgefühl ein.

Da werden sämtliche Menschen, häufiger Männer als Frauen, in meinen Augen zu potentiellen Tätern. Ich male mir weder Szenen aus, noch kann ich klar benennen was da passieren sollte, aber es ist da.

Und wenn wir ehrlich sind, jeder kam sicher schon in ähnliche Situationen, wobei ich mir von Männern oft anhören darf, diese Ängste seien für sie nicht oder wenig existent. Männern passiert sowas nicht. Aha.

Ist das denn so? Wird nicht jeder Mann oder Junge einmal in seinem Leben derbe vermöbelt? Auf dem Schulhof oder später in der Disko? Gab’s nicht auch mal Stress auf dem Bahnhof an Silvester oder weil die anderen beim Fußballspiel betrunkener waren? Sich nicht zu ängstigen, macht reale Gefahr nicht kleiner. Sich dauerhaft zu ängstigen, bringt schöne Momente zu Fall. So wie im Fall Köln. Es war Zuckerfest. Die Menschen wollten das feiern und haben sich schön gemacht, sind losgezogen und haben in gelöster Stimmung laut gerufen.

Außenstehende haben aber gesehen und gehört was ihre Ängste sie sehen und hören lassen wollten.

Natürlich machen Gruppen nervös. Eine Gruppe junger Männer sowieso. Erinnern wir uns an den Vorfall vor Jahren in Köln. Da wurde der Polizei vorgeworfen, sie hätte sich damals nicht ausreichend geregt. Frauen wurden belästigt und haben keinen oder wenig Schutz erfahren. Schutz wäre aber wichtig und nötig gewesen.

Hier brauchte es keinen Schutz. Tatsächlich wurde hier kein Verbrechen begangen. Gefühlt hatten umstehende Menschen plötzlich Angst. Angst, weil sie Bilder im Kopf hatten, die sich über die Medien immer wieder eingebrannt haben. Angst, weil sie selbst vielleicht schon Opfer waren und sich ihrer Pflicht sich selbst und anderen gegenüber erinnerten. Und Angst, weil Anderssein in ihren Augen manchmal einfach schon als Grund genügt.

Wenn ich alleine auf dem Bahnhof stehe und schreiende, lachende Männer ziehen an mir vorbei, bin ich immer nervös. Ich rufe vermutlich nicht so schnell die Polizei, aber bleibe achtsam. Wenn schreiende und betrunkene Frauen an mir vorbeikommen, mache ich dies übrigens auch.

Wenn jemand den Trigger bedient, indem er etwa ruft „Gott ist groß“ und sich dadurch für jemanden zur potentiellen Gefahr erkennen gibt (so glaubt das Gegenüber in seiner Angst), führt dies unbedingt zu Stress. Stress für den verängstigten Menschen. Später Stress für den unschuldig Festgenommenen.

Die Polizei hätte die Männer weder auf dem Boden fixieren müssen, noch mit zur Wache nehmen. Papiere zeigen, fragen wohin sie fahren, sie bitten ruhiger über den Bahnhof zu gehen und einen schönen Feiertag wünschen.

So könnten sie aber auch mit Fußballfans, Männern an Herrentag und Betrunkenen umgehen.

Es ist die Pflicht der Polizei zu schützen und zu unterstützen. Umstehende Menschen hätten ja auch darum bitten können, dass die Männer ruhiger blieben. Sie haben sich aber anders entschieden.

Die Erfahrung hat sie gelehrt, wenn sie selbst etwas tun, könnte das schlimme Folgen haben.

Gruppen machen eben manchmal Angst. Diese Angst zu respektieren und zu achten, sei sie noch so irrational, wäre wichtig gewesen. Menschen, insbesondere Männer, müssten sich ihrer Verantwortung bewusster sein. Ruhiger, besonnener und blickiger werden.

Es ist die Verantwortung der Polizei zu entkriminalisieren. Es ist an uns Vorurteile abzubauen.

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