NIEDER MIT DIR, DAMIT ICH GRÖSSER WIRKE!

Heute in der Supervision hörte ich dem Supervisor aufmerksam zu. Er wurde dafür kritisiert mehrfach in der letzten Runde parteiisch und unangemessen auf bestimmte Inhalte reagiert zu haben.

Er entschied sich nicht etwa dazu, sich zu entschuldigen oder darüber nachdenken zu wollen, nein. Er warf völlig unpassende Kritiken zurück in den Ring und gab damit zu verstehen: „Ich bin im Grunde auch nur ein Mensch und ihr habt mich gerade mit eurer Kritik getroffen.“

So etwas machen Menschen häufig. Wenn sie kritisiert werden, ob tatsächlich konstruktiv oder eben leider beleidigend, erfolgt recht bald eine Gegenreaktion. Diese kann wie eine Verteidigung aussehen, eine Rechtfertigung oder Erklärung. Diese wird nicht selten gespickt von einer Gegenkritik.

Manche Menschen wollen damit etwas loswerden, was ihnen sowieso längst auf der Seele brannte, andere hoffen den anderen schnell auf ihre Ebene zu ziehen. Weit nach unten. Kritik fühlt sich für viele Leute nach Erniedrigung an. Sie erkennen darin einen Tiefschlag und Angriff und müssen schnell handeln. Schnell ist nicht immer weise. Oftmals geht’s daneben.

Wenn also jemand hört „Ich habe etwas falsch gemacht“, versteht er meist:“Ich bin falsch/dumm/nichts wert“ und nimmt diese Kritik persönlich. Was hilft da mehr, als dem anderen schnell seine eigenen Unzulänglichkeiten vorzuhalten.

Jede Umkehr von Kritik wirkt. Manchmal infantil und peinlich, aber sie wirkt. Das Gegenüber kann sich nicht auf eine Problemlösung konzentrieren und das Thema abschließen, weil jetzt eine neue Büchse der Pandora geöffnet wurde. Jetzt ist es der Kritiker der kritisiert wurde. Beide stehen also auf Augenhöhe, verletzt und gekränkt und müssen ihre Wunden lecken.

Gut ist, wenn einer von beiden diese Pfeile ignorieren kann und sich auf das Eigentliche besinnt. Besser ist, wenn der andere sich gar nicht erst dazu hinreißen lässt, Pfeile zu schießen.

Kritik ist keine Erniedrigung, wenn sie konstruktiv, also lösungsorientiert ist und bleibt. Sie sollte nicht persönlich gemeint sein und auch nicht so wirken. Die Beziehungsebene hat wenig da zu suchen, wo man eine Sache klären muss.

Dann fühlt sich auch niemand mehr kleiner als er tatsächlich ist.

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