WARUM DU MIT TITTEN NICHT DIE WELT VERÄNDERN WIRST

Verallgemeinerung ist schlecht. Es gibt vorab gesagt hier in meinem Text kein richtig oder falsch, keine Anmaßung für alle sprechen zu wollen etc.

Menschen sind so unterschiedlich wie Schneeflocken. Wir gleichen uns in bestimmten Merkmalen und lassen uns so in nur wenigen Schubladen einordnen. In den letzten Jahren bricht dies langsam auf und der Geist, die Empfindungen und die Psyche bestimmen, wer wir sind. Nicht aber unser Körper oder unsere Geschlechtsmerkmale. Zum Glück.

Warum aber noch immer nicht vollends angekommen ist, dass weibliche Reize (blöde Begrifflichkeiten) und die Andeutung weiblicher Sexualität zu vermehrter Aufmerksamkeit, nicht aber auch zwangsläufig mehr Interesse und wirklicher Größe führen, ist mir schleierhaft.

Frauen, ob Feministinnen oder nicht, haben oft immer wenigstens eins gemeinsam: sie lassen gerne etwas tiefer blicken, wenn ihre Tiefsinnigkeit nicht beim anderen Geschlecht ankam. Statt sich zu ärgern, dass man(n) sie nicht gehört oder verstanden hat, statt auf die Barrikaden zu gehen und zu rufen „Hier bin ich und du hörst mir jetzt zu!“, kreieren sie um sich den Mythos der starken, weiblichen und selbstbestimmten Eva, die eben doch nur wieder etwas Bein zeigt, um Ziele zu erreichen, die sie ein Mann nicht auf anderem Weg erreichen lässt.

Es ist eine Schmach, sich verstellen zu müssen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Sich als Frau zu definieren, bedeutet auch immer, zu schauen was eine Frau wohl in den Augen der Männer sein mag. Weiblichkeit ist nicht die Betonung meiner Geschlechtsmerkmale oder schönen Augen. Weiblich bin ich, wenn mein Körper entweder genau diese Geschlechtsmerkmale nachweist und ich diese auch geistig annehmen möchte. Weiblich kann ich aber auch sein, wenn ich sage ich bin weiblich.

Im Grunde verschwimmt doch das Geschlecht zunehmend. Wer sich heute noch bestimmten Stereotypen aussetzen möchte, darf das. Wer es nicht tut, auch. In einer fortschrittlichen Gesellschaft ist alles erlaubt. Auch Beine zeigen, für Likes auf Instagram. Natürlich.

Aber ach wie schwer wiegt eben dieses Gewicht, nichts unter die Menschen bringen zu können, ohne seinen Körper dafür geschickt einzusetzen?

Männer müssen das selten. Klar, mit zunehmender Oberflächlichkeit, obliegt es auch ihnen, sich sportlich, erotisch und fit zu präsentieren. Frauen finden aber ganz andere Dinge wichtig. Intelligenz, Humor, Achtsamkeit, Liebe, Treue (Loyalität schon eher), Gleichberechtigung. Ein schöner Körper vermag das Paket abzurunden, aber keine Frau erwartet einen Politiker der volles Haar hat und Waschbrettbauch statt Rettungsring. Männern wird die Kompetenz einfach seltener abgesprochen. Ob schön oder nicht.

Frauen in Machtpositionen sind entweder „männlich“ (gilt für einen Kleidungsstil, die Optik oder ihr Gebaren) oder haben sich geschickt durch Erotik und viel Hartnäckigkeit hochgekämpft. Models und Schauspielerinnen zum Beispiel. Niemand will denen ihre Erfolge absprechen. Der Weg dahin war aber sicher steinig und gepflastert von Männern die sie haben „hochgelassen“. Die metoo-Bewegung hat es gezeigt: fast alle Generationen an Frauen haben Erfahrungen gesammelt mit sexueller Belästigung oder sexueller Diskriminierung.

Und wenn ich online sehe wie Frauen ihre Botschaften unter das Volk bringen wollen, gute Botschaften, zu Themen wie Diskriminierung, Politik, Geldsorgen, Nachhaltigkeit, Beziehungspflege, Soziales usw.,ihnen aber nur aus den eigenen Reihen Zuspruch entgegengebracht wird, werde ich traurig.

Sie schaffen es aus eigener Kraft fast nie ohne die Abzweigung über die Sexualität. Sei es ein nettes Foto aus der Badewanne, in Netzstrümpfen auf einem Sofa oder Event oder sarkastisch verpackt zwar, aber eben am Ende doch nix besseres: humoristische Einlagen auf YouTube, bei denen es darum geht Stereotype auf die Schippe zu nehmen, in dem man den Arsch schwingt und seine Brüste schüttelt. Es ist ein Trauerspiel.

Frauen können wie Männer doch im Grunde wirken und haben etwas zu sagen. Wieso glauben wir, erst durch bestimmte Mechanismen auch schneller ans Ziel zu gelangen? Wieso verkauft sich Sex besser? Gilt das nur für Männer oder auch für Frauen?

Wieso ist es uns nicht möglich, lieber auf unsere Ziele unter Zuhilfenahme der Männer zu verzichten und die Zielgruppe Frau anzusprechen? Sind Frauen als Zielgruppe nur attraktiv für Brigitte und Superillu?

Klar, wenn mir nur Männer meine Wishlist auf Amazon leerkaufen und nur Männer meine Videos klicken, muss ich wohl bedienen was bedient werden will. Aber wenn ich tatsächlich etwas zu sagen habe, zieh ich es durch. Dann bin ich nicht auf fünfzig Wichser (wörtlich zu verstehen) angewiesen und brauche weder deren Geld noch deren Bestätigung. Was haben die mir mehr zu geben und zu glauben, als andere Frauen?

Ich wünschte mir, Frauen dürften sein wie sie wirklich sind. Ohne Kalkül, ohne Fassade und ohne Druck. Keine Selbstmanipulation mehr und keine Lügen. Keine Angst nicht gemocht zu werden. Keine Unterdrückung.

Bin ich wer ich bin, wenn andere mir sagen was sie in mir sehen?

Wäre ich wer ich bin, wenn andere damit aufhören würden?

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