VORSICHT, EIN TREND GEHT UM!

Nichts macht dem Großstädter kurzzeitig so viel Freude, wie einem neuen Trend zu folgen. Mancher verschläft aktuelle Trends und bastelt sich aus abgelegten eben einen neuen. Andere holen alte Modeerscheinungen und Lebensgefühle aber auch wieder hervor, sobald diese aktuell sind.

Ob Lifestyle oder Sinneswandel, ist oft schwer zu deuten. Auch ich probiere mich gerne aus. Modetechnisch und in anderen Lebensbereichen. So war ich ein Jahr Veganerin und sieben Vegetarier. Zu einer Zeit allerdings, als ich es noch nicht medienwirksam posten konnte.

Ich trug schon immer gerne einen bestimmten Stil, der sich aber gut mit aktuellen Artikeln kombinieren ließ. Treue und Mode.

Selten war es schwer einen Trend so durchzuhalten, wie den des Umweltschutzes. Nachhaltigkeit ist ein derzeit großartiges Thema und die Grünen liegen deutlich im Trend ihrer WählerInnen. Bereits vor Jahren habe ich Plastik versucht zu verbannen und hundert Tage auf Zucker, Verpackung und Shopping verzichtet. Eine Befreiung für Portemonnaie, Körper und Geist. Zu dieser Zeit war ich arbeitslos und hatte viel Zeit mir meine Kastanien und Efeu für Waschmittel zu sammeln und aufzubereiten.

Ich habe gebacken, Reste verwertet und gebastelt. Ich lebte gesünder und anspruchsvoller.

Ließ sich mit der neuen Arbeit und dem Studium nur schwer halten. Erstaunlich, aber obwohl etwas mehr Geld rein kam, wurde auch alles teurer. Shopping auf Amazon (erstmal sehr billig, weil aus China und damit eine ganz miese Umweltbilanz), treibt einen ja in die Sucht.

Und so verfolge ich derzeit ein paar Instagrampostings und auf Twitter wird auch laut gedacht wie schön so ein nachhaltiges Leben doch sei, hätte man nur mehr Geld.

Falsch! Absolut falscher Ansatz!

Es ist nicht der Mangel an Geld, sondern das Geld, was ein nachhaltiges Leben erschwert. Wer Geld hat, gibt es aus. Wofür? Erstmal fast egal. Es wird eingeflogen, billig produziert (egal von welcher Marke, sorry!) und je mehr ich kaufe, umso weniger lebe ich augenscheinlich nachhaltig. Wer braucht schon fünf Ökoseifen oder jeden Tag ein nettes fair produziertes T-Shirt? Eben.

Nachhaltigkeit bedeutet, Verzicht. Es bedeutet sich nicht jeden Tag neue Bücher, neue Technik oder Kleider anzusehen. Es bedeutet ein Bewusstsein für das zu entwickeln, was man schon im Schrank hat.

Vor Jahren war Minimalismus Trend. Außer meinen Freund, kenne ich kaum einen der das durchgezogen hat. Bis auf etwas Technik, kauft er sich nicht viel neues. Meine Wohnung platzt bald. Seit ich arbeite, kaufe ich den Kindern gerne Kleinigkeiten oder mir nette Sachen. Rossmann und DM sind meine liebsten Shoppingmeilen. Es ist affig, aber selbst Ökoverpackung ist Verpackung. Was glauben wir was im Anschluss damit passiert? Regenwaldrettung jedenfalls nicht.

Und so appelliere ich an mich selbst und alle anderen: lassen wir das Geld stecken und investieren es lieber in die Zukunft (Kohle-Ausstieg z.B. oder Seenotrettung), statt uns irgendeinen Scheiß zu kaufen. Tragen wir eben die Mode von vorgestern. Heute laufen Mädchen in Sachen rum, die ich mit 14 schon trug. Alles kommt also zurück!

Es ist hart und es ist etwas langweilig. Arbeiten und Haushalt und danach kein Kino oder teures Gartengrundstück unterhalten zu können, treibt den halb toten/halb lebendigen Großstädter eben oft in eine Sinnkrise aus der nur Anschaffung hilft. Lassen wir das! Wir brauchen Freunde und Hobbies und nette Momente.

Keine Glücksgefühle beim Erwerb irgendeines Stücks zukünftigen Mülls.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s