WAS GEHT’S UNS AN?

Prinzipiell behaupten eine Menge Menschen von sich mit Toleranz gesegnet zu sein. Sie werfen sich gegen Diskriminierung jeder Art in die Bresche oder verneinen zumindest vehement frauenverachtend, rassistisch und homophob zu sein. Man könnte ihnen sonst nämlich nachweisen, dass sie klein, ängstlich und unwissend sind. Eigenschaften die sich niemand gerne unterstellen lässt.

Was aber, wenn wir anfangen in Nachbarsgarten zu schauen? Was hat die denn heute wieder angehabt im Fernsehen? Boah, der alte Kerl mit dieser jungen Frau? Wie sie ihre Kinder erziehen, da bekomme ich das kotzen! Usw.

Es gibt unzählige Situationen, in denen wir unsere ganzen Werte und die tolerante Einstellung über Board werfen und zu eben diesen verhassten Arschlöchern werden, die wir zwei Sätze vorher noch angeprangert haben. Und das ist auch nicht ungewöhnlich. Der Mensch grenzt sich gerne ab. Abgrenzen erfolgt nicht zwangsläufig darüber, in einer Sache besser zu sein, sondern oft darin andere schlechter zu machen. Wir tragen unsere Nasen also höher und zeigen mit dem Finger auf andere und automatisch gibt es eine Millionen Dinge die wir besser machen würden. Mindestens anders.

Wir benutzen beim Radfahren ja immer ein Helm, nicht wie die soundso vielen Verkehrstoten, selbst Schuld…sowas würde vermutlich kaum jemand laut sagen. Nein, es müssen Kleinigkeiten sein. Sowas wie ein Kodex auf den sich viele einigen können: Achtung – fertig – los – lästern!

Erfahrungen die uns haben schlecht fühlen lassen, übertragen wir gerne auch auf andere. Wenn wir uns irgendwo jemals gestört fühlten, versuchen wir Verbündete im Kampf um dieses Unwohlsein zu finden. Hat uns unser Partner für eine jüngere Frau verlassen, sind alle Männer die es gleich tun eben sexistische Schweine. Hat uns Mal ein Hund gebissen, mögen wir eben lieber Katzen. Wir sind nur dann wirklich tolerant, wenn wir uns identifizieren können. Haben wir eine ähnliche Krankheit wie der andere durch, vermag sich etwas in uns regen. Schon kleine Abweichungen machen uns dies schwer. Zu behaupten wir seien alle zur Empathie fähig und könnten uns ja in andere einfühlen, stimmt dann auch nur bedingt. Wer kann sich mit weißer Hautfarbe in einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe einfühlen? Und wer möchte sich dies überhaupt rausnehmen? Wer ist größerer Experte? Derjenige mit Behinderung oder der, der mit Menschen arbeitet die eine Behinderung haben? Sind beide allem gegenüber automatisch toleranter? Nein.

Auch unter sogenannten Betroffenen (bitte mit Anführungszeichen zu verstehen), lässt es sich wunderbar lästern, herabsetzen und Scheiße labern. Man wird nicht automatisch zum besseren Menschen.

Und so müsste die Frage eher lauten: Was geht es mich an? Deine Freiheit darf meine Freiheit nicht einschränken und umgekehrt. Alles andere betrifft mich nicht und damit habe ich dich leben zu lassen wie du es für richtig hälst. Punkt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s