MÜTTER

Mütter sind schon faszinierend. Seit ich selbst Mutter bin, merke ich erst welche Lebensleistung sich vom ersten Gedanken ein Kind zu wollen, bis zum vermutlich letzten Atemzug mit der Mutterschaft, verbirgt.

Frauen die keine Kinder wollen oder wollten, werden es anders empfinden, keine Frage. Ich spiele hier aber auf Frauen an, die sich dabei ertappten, vielleicht während einer schweren Krankheit zur Decke zu schauen und plötzlich gottesfürchtig geworden, beteten. Sie beten für die Mutterschaft und ihr eigenes Überleben, um noch einmal Mutter sein zu dürfen.

Frauen die eine Uhr ticken hören. So laut und deutlich, dass sie beginnen sich zu wundern, wieso niemand in der Umgebung im gleichen Takt schlägt.

Frauen die nach zwei Tagen drüber zwar sagen „Oh oh!“,aber meinen „Hach.“ und Frauen die sich verstohlen in der Kinderabteilung bei H&M rumdrücken.

Mit Beginn dieser Gefühle, setzt auch der Grundstein ihrer Liebe für ihr Kind ein. Wohlmöglich werden mehr Entscheidungen basierend dieses Gefühls, als aus Vernunft begründet.

Wenn es dann soweit ist, ist manche Frau vielleicht unverheiratet, arbeitslos, Geringverdienerin oder hat den Erzeuger als potentiellen Vater bereits ausgeschlossen. Sie möchte dieses Kind. Sie will dieses Kind. Sie braucht es sogar.

So viele Kinder werden dann aus purem Egoismus geboren. Aber welchen Grund sollte es auch sonst geben, wenn nicht Liebe?

Klar, die Menschheit muss erhalten bleiben. Eine Zukunft gesichert. Aber ist das tatsächlich noch zeitgemäß? Vernünftig wäre zu verzichten, damit sich Erde und Leben auf dieser erholen können. Was also dann?

Ist es sinnvoll Kinder auf diese Welt zu setzen, in Ländern in denen Kriege herrschen? Oder Armut? Und hat das je davon abgehalten Kinder zu bekommen? Nein, eher nicht.

Der Wunsch sich fortzupflanzen, ist meiner Meinung nach ein weiblicher. Klar, auch Männer wünschen sich irgendwann vielleicht eigene Kinder. Sogenannte Stammhalter. Es gibt aber mehr Männer die mit Ende 30 noch wunschlos glücklich sind, als Frauen.

Dies ließe sich natürlich begründen, mag man denken. Frauen haben nun einmal nur qualitativ hochwertige Eier, wenn sie jung sind. Das Sperma von Männern lässt mit zunehmendem Alter allerdings ebenfalls nach und begünstigt Behinderungen, Erbkrankheiten usw.

Was also macht Frauen so empfänglich?

Sind es die Hormone? Warum empfinden auch Großmütter jenseits der Menopause ihre Enkelkinder als große Freude? Wieso quietschen auch Frauen die unfruchtbar sind, wenn ein Baby ihren Weg kreuzt?

Ich weiß es nicht. Ich habe an mir gemerkt, hier ist einfach was besonders. Mit dem ersten Gedanken an ein eigenes Kind, setzte es ein. Das Muttersein.

Es ist dieses Gefühl unbedingt etwas für einen anderen Menschen aufzugeben, sich von nun an ständig weiterzuentwickeln, in Angst zu leben und als einzigen Lohn die Tatsache ein Menschenleben erschaffen zu haben.

Sind wir uns darüber klar? Unsere Kinder sind uns ja nichts schuldig. Sie baten uns nicht um ihr Leben. Sie sind da und vielleicht wären sie lieber woanders.

Wir schützen sie und schauen ihnen beim wachsen zu, meist schon bevor sie überhaupt da waren. In unserer Phantasie basteln wir ihnen bereits die Haarfarbe, ihren Werdegang und unsere Freude über sie zurecht.

Problem an diesem Gefühl: es trübt.

Nicht jede Mutter ist in der Lage Wunsch in Wirklichkeit zu verwandeln. Manchmal ist es ein Knochenjob, den keiner machen würde, wenn er darum wüsste.

Angenommen eine Stellenbeschreibung sähe so aus wie folgt, wer würde sich bewerben?

Suchen junge, gesunde Mutter zwischen 18-29, um Risiko einer Störung auszuschließen, mit folgenden Stärken:

Flexibilität, Stehvermögen, Ausdauer, Kraft, ständiger Energie, Frohsinn, Optimismus, Liebe, Empathie, Geduld, mit Spaß an Dreck, Matsch, Fäkalien, unruhigen Nächten, Pubertät, blöden Kommentaren und ständiger Beurteilung von Außen, Geldsorgen, Sorgen um das Kind im allgemeinen, vielen Vorurteilen. Ggf. werden sie sich körperlich nicht nur stark einschränken müssen, sondern auch verändern. Am Ende Ihrer Laufbahn werden sie nicht dieselbe sein, denn Reisen und Bildung gehören nicht zu unseren Fortbildungsangeboten. Stattdessen lernen sie einen Haushalt zu ignorieren und Resilienz kennen. Sie werden nicht bezahlt und dürfen ihr gesamtes Vermögen von nun an teilen. Extrakosten entstehen ihnen selbstverständlich auch. Wenn sie bis hier Bedürfnisse hatten, gilt es diese unterzuordnen. Ihr Rollenbild als Frau ist seit Jahren unangetastet das einzige, was sich in einer sich wandelnden Gesellschaft verlässlich zeigt. Nehmen Sie diese Herausforderung an und erwarten Sie wenig Hilfe. Das Wort Team steht bei uns für: Fragen Sie doch mal wen anders nach Unterstützung, hier gibt es nichts zu holen!

Wir freuen uns sehr über Ihre aussagekräftige Bewerbung. Möglichst ein Foto von Ihnen und einer Maßangabe. Hier nur frischer, sexy Genpool, bitte. Entnehmen Sie weitere Anforderungen der angehängten Liste. Lesen Sie außerdem unsere Broschüren „Kita-Platz? Was ist das?“ und „Starterpaket Schule und Elterngespräch für Dummies“.

Vermutlich würden die Vermittlungsagenturen schon bald pleite gehen und die Welt unter.

Mütter auf einen Thron zu heben, ist natürlich albern. Nicht unmöglich, aber auch nicht nötig. Sie sind keine Heldinnen oder Fabelwesen. Sie sind echt. Verletzlich, ängstlich, stark und dumm. Ihr Wunsch ein Kind zu begleiten, für immer an diesen Menschen gebunden zu sein, selbst wenn dieser sich abwenden sollte, ist wahnsinnig. Und doch tun wir es gerne. Manche mehr, manche weniger.

Wenn Männer, hier rede ich nicht von einer Minderheit -denn ja, es gibt sie-, jemals genauso aufopfernd und blind das Ziel verfolgen Väter zu werden, es zu sein und zu bleiben, dann befinden wir uns auf Augenhöhe. Da wo wir jetzt stehen, stehen wir in der Regel ganz alleine. Wir sind die gottverdammte Mutter Natur.

Mutter sein bedeutet nicht, leiblich ein Kind geboren zu haben. Es ist auch nicht unmöglich als Vater eine Mutter zu sein. Mutter zu sein, kann bedeuten sich diesem Menschen, der als Gedanken begann, ein Leben lang verpflichtet zu fühlen. Es endet nie. Selbst wenn ich die beschissenste Mutter der Welt wäre, selbst wenn ich abtreiben müsste, selbst wenn ein Kind stirbt.

Mutter wird man nicht erst, man ist es. Man kann vermutlich nie wieder keine Mutter sein.

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