GELD ODER AUCH: WER HAT DER KANN

Ich war nie sehr sparsam. Gemessen an meinem Verdienst und meiner Lebenssituation, lebe ich gut und kann mir ab und an etwas gönnen. Dabei schwanke ich zwischen Pauschalurlaub (ein knappes Jahr für drei Leute sparen) oder zweimal Ferienlager fürs Kind und viele nette Kleinigkeiten für alle drei.

Meine Mutter konnte nie mit Geld umgehen. Bis heute sitzt sie auf einem Berg voll Schulden und zuckt gelangweilt die Schultern. Sie kauft sich ein neues Auto oder eine Küche und erwähnt beiläufig, wir sollten später das Erbe ausschlagen.

Apropos Erbe. Ich habe noch nie etwas geerbt. Alles was ich habe, habe ich aus eigener Kraft verdient oder mir von Oma mal was zustecken lassen. Dabei reden wir von ein paar Zwanzigern und nicht der Übernahme meiner Bafög-Kosten oder ähnlichem.

Ich habe eine Amazon Wishlist die überfüllt ist mit Müll, den ich mir niemals kaufen werde. Ich reiche sie auch nicht rum und möchte sie nicht veröffentlicht wissen.

Mein Konto gähnt weder, noch macht es Freudenhüpfer. Für eine Alleinerziehende komm ich gut hin, auch wenn die Väter unregelmäßig zahlen. Es ist wie es ist und es funktioniert. Schön ist natürlich anders.

Dennoch, ich weiß was Luxus ist. Ich sehe es jeden Tag vor mir. Menschen in Autos, Menschen in Eigentumswohnungen (in Berlin werden es immer mehr) und Menschen die nicht bei Primark verstohlen ihre braune Papiertüte verstecken, sondern in Markenwaren über allem erhaben scheinen.

Geld ist lebenswichtig. Es erhöht die Lebensqualität. Es stabilisiert und sichert ab.

Würde ich es mir schenken lassen? Klar, wieso nicht?

Würde ich dazu aufrufen es mir zu spenden? Eher nein.

Geld ist etwas, was ich habe oder eben nicht habe. Ich habe Kinder und einen Job. Ich studiere nebenbei und erwarte nicht plötzlich von der Politik ein Umdenken gegenüber Pädagogen oder Alleinerziehenden.

Alles was ich jetzt tun kann, ist realistisch bleiben und den Mut nicht verlieren. Sparen wenn es nötig ist, mich über Kleinigkeiten freuen (Kinobesuch oder ein schönes Paar Schuhe), wenn es soweit ist.

Ich weiß, ich könnte mich deutlich stärker aufregen und manchmal tue ich das sogar, aber alles in allem bin ich glücklich. Und wer wie lebt und wer sich wie finanzieren lässt, ist jedem selbst überlassen, aber für das gute Gefühl, ja…

Ich habe uns einen Sandwichtoaster und ein Waffeleisen gekauft. Und man, was war ich stolz mir eine neue Waschmaschine und einen Laptop zulegen zu können. Meine Sommerschuhe sind auf zwanzig Paar angewachsen und die Kinder bekommen Kindertagsgeschenke. Bald verreist mein großer Sohn in den Luxusurlaub mit der Tante und ich habe es finanziert. Das alles macht mich stolz auf mich. Ich bin unabhängig, weil ich mich nicht abhängig fühlen möchte.

Eines Tages gewinne ich vielleicht ein Grundeinkommen oder im Lotto. Vielleicht werde ich übermorgen überfahren oder erleide einen Herzinfarkt, aber ich habe meinen Kindern alles ermöglicht (vom Breakdance bis Theaterkurs) und mich nicht vergessen. Sie werden nicht viel erben, außer meiner Integrität und meiner Stärke.

Wer davon was hat, der kann eine ganze Menge.

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