BIN ICH SCHÖN?

Nichts macht einen Menschen schöner, als ein warmherziges Wesen, ein strahlendes Lächeln und…ja, was eigentlich?

Glauben wir den Medien, gehört heutzutage wieder mehr dazu schön zu sein und sich so auch zu fühlen.

Es ist natürlich nichts neues, umringt von Werbeplakaten, erschlagen von diversen Medien und all diese Menschen, uns umgebend. So schön viel Konkurrenz, so schön viel Vergleich.

Machen wir uns auch nichts vor, die Wahrheit ist, attraktive Menschen kommen an. Sie werden als erfolgreicher, klüger und selbstverständlich erotischer wahrgenommen. Jemanden kennenzulernen bedeutet, sich mit jemandem zu beschäftigen. Jemanden kennenlernen zu wollen, setzt aber leider oft einen Türöffner voraus: die Anziehung. Diese geht Hand in Hand mit der Attraktivität an uns vorüber und wir, gleichermaßen beeindruckt wie paralysiert, hecheln hinterher.

Ob on- oder offline, es funktioniert eben häufiger über die Optik.

Leider treibt dies inzwischen groteske Züge.

Hat man sich früher sicher sein können, dass Plakate und Magazine eben etwas tricksen, kann man heute davon ausgehen, dass jedes Instagrambild ebenso bearbeitet wurde.

Und hat man sich damals natürlich noch neckisch in Pose geworfen, Doppelkinn wegdrückend, Bauch einziehend, gehören heute mindestens ein Filter, gutes Licht und ggf. eine Schummelapp zum Repertoire der ausgeklügelten Datingvermarktung.

Wem das noch zu wenig ist, sollte auf die ein oder andere Hyaluronsäurebehandlung setzen. Lippen werden aufgespritzt, Nasen verkleinert und Haare implantiert. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles kann, nichts muss, aber sollte.

Wer jetzt noch Single ist, ist dann quasi selbst Schuld. Hat das eigene Profilbild mehr versprochen als gehalten, nutzt es eben nichts auf seinem Foto auszusehen wie Jeansgröße 36, wenn die Realität im Faktencheck unter der 44 leidet.

Versteht mich bitte richtig, mir ist egal ob Größe xs oder xxl. Aber ist es den anderen auch egal?

Wenn sich Menschen schon durch das Angeben eines falschen Namens oder Berufs auf den Schlips getreten fühlen, was macht es dann erst aus, wenn der potentielle Partner/die Partnerin so gar nicht aussieht wie versprochen?

Tja. Was nun? Runterschlucken? Ansprechen? Freundlich bleiben oder Betrug kreischen?

Ein Anfang wäre vielleicht, zu sich zu stehen. Ein Mittelweg wäre, zuzugeben, dass attraktive Menschen eben oftmals besser ankommen. Ein Ziel könnte aber sein, aufzuhören sich und andere ständig zu vergleichen.

Wenn ich noch eine Frau Anfang 40 sehe, die sich in einen Minirock schmeißt, ihren Filter anwirft, die Beine optisch online verlängert und schreibt „Ich fühle mich wohl so wie ich bin! Team Bodylove“,bekomme ich das Heulen.

Für mehr Realität. Für mehr Bodenständigkeit.

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