GEFANGEN IM LOOP

„Nur noch Arschlöcher hier! Berlin ist Scheiße. Alle sind so gemein zu mir! Niemand versteht mich.“ All diese Aussagen wirken auf den ersten Blick traurig und machen wütend. Armer Mensch, mag man sich denken.

Befremdlich sollte es aber klingen, wenn oft gehört und ständig Bezug nehmend zur Liebe und Beziehungsfähigkeit.

Sind wirklich alle Männer oder Frauen da draußen Schuld, an meinen verpatzten Dates? Oder gibt es sowas wie Schuld gar nicht?

Gibt es vielleicht nur schlechtes Timing? Gibt es sowas wie die falschen Personen für mich selbst, aber für wen anders sind sie eben genau richtig? Wieso aber laufe ich dann Menschen in die Arme, die für andere bestimmt sind? Wieso all diese Dramen?

Ich bin gefangen in meiner Zeitschleife. Eine endlose Wiederholung der gleichen Serie. Es ist wie ein Wachtraum, immer an den gleichen Typus zu geraten, der mich aufschrecken, aber nicht erwachen lässt.

Und dann fürchte ich mich und ärgere ich mich, über die anderen.

Nehme ich aber Abstand und reflektiere, kann ich eventuell erkennen, dass ich doch immer die gleiche Abzweigung nehme.

Ja klar, rein optisch verändern sich die Menschen vielleicht oder ihre Jobs, Lebensumstände usw. mögen voneinander abweichen. Dennoch, irgendwas verbindet sie. Mich.

Sie alle wurden von mir erwählt. Zu einem netten Plausch in der Bar, beim Einkauf oder in einem Onlineforum. Schon beim rechts Wischen treffe ich unbewusst eine Entscheidung und ja, ich glaube einem neuen Menschen zu begegnen und eine Chance zu nutzen, die mir zusteht.

Bin ich mit mir aber nicht im Reinen und ganz klar was ich brauche und gebrauchen kann, wird er kommen: der Autsch-Moment.

Das ist dieser Moment, in dem das Date wiederholt blöd läuft, mich jemand ghostet oder mir freundlich sagt „nee doch nicht“. Manchmal geht es vielleicht sogar weiter und nach wenigen Wochen ist der Drops gelutscht. Manchmal endet es in einer schrecklichen Beziehung, ob öde oder nervenraubend.

Hier geht es nicht um eine Schuldfrage!

Hier geht es ums Hinsehen.

Schauen ob der andere wiederholt ein Muster in mir bedient. Verhalte ich mich immer gleich? Bin ich ich? Spule ich gegebenenfalls auch nur eine Rolle runter? Wieso? Und wenn ich das nicht mit ja beantworten kann, dann vielleicht noch die Frage: erinnert mich mein Gegenüber an jemanden? Einen alten Verflossenen? Einen Schwarm der mich früher nie mochte? Meine Mutter/meinen Vater?

Wenn ich begreife, dass mein Muster mir das Leben schwer macht und ich es durchbrechen oder verändern muss, um mich zu befreien, kann ich mich vielleicht wirklich auf eine neue Liebe einlassen. Jemanden an den ich gar nicht gedacht hätte. Jemanden der mich aus meiner Komfortszone holt und mir da eine heiden Angst macht. Jemand der mich an Grenzen bringt, nämlich meine eigenen. Jemanden den ich so nie kennengelernt habe, weil ich nur wähle womit ich mich auskenne. Manchmal ist das womit ich mich am besten auskenne Scheiße.

Gewalt, Lieblosigkeit, Macht, Angst, Distanz usw.

Und wenn ich das im Grunde meines Herzens nicht möchte und auch tatsächlich nicht brauche, dann sollte ich aufhören danach zu winseln. Ich sollte mein Muster nicht als unumstößlich betrachten.

Eine Weiterentwicklung tut gut und Liebe ist der Lohn. Selbstliebe unbezahlbar.

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