STATUS(SI)

Ein Freund eines Freundes sprach mit mir über Feminismus. Ich möchte nicht näher auf seine Haltung eingehen, die ich aber als durchweg positiv und wach wahrnahm.

Später sprachen wir hingegen über die Abwertung von Erfolglosen. Menschen die unter dem Radar durchfallen, weil sie einfach nicht genug Geld mit nach Hause brächten. Menschen die sich nicht durch hohe Bildung oder einen spannenden Job auszeichneten usw.

Er bemerkte, dass er selbst über viele Jahre auf dem Singlemarkt abgewertet wurde, weil er keinen gewinnbringenden Job hatte und vermutlich dadurch bedingt auf Menschen unattraktiv wirken musste. Sein Ego litt darunter, genau wie sein Bankkonto.

Ob er Recht hat, weiß ich natürlich nicht. Dafür kenne ich ihn zu wenig und ich fürchte, es gehört mehr dazu in der Wahrnehmung der Masse unterzugehen, als ein beschissener Job. Dennoch…ich habe mich im Freundeskreis lange umgesehen und auch auf Arbeit, unter Kolleginnen oder auf Twitter, unter Feministinnen oder sonst wem, Status kann nur gewinnen.

Ob jemand lobend hervorhebt, dass sein Gegenüber diesen oder jenen guten Posten besetzt, ein hohes Tier sei, Einfluss habe, weit reisen könne oder ähnliches, es bleibt eine Reduzierung.

Wo anderswo geklagt wird, man(n) reduziere uns ständig auf äußerliche Merkmale, haben viele Frauen große Lust, Männer nach ihren Status zu beurteilen.

„Habe einen tollen Architekten kennengelernt!“,fällt nicht etwa, weil wir gleich hören werden wie schön das neue Haus jetzt aussieht. Es soll suggeriert werden: kenne jemanden mit Geld und Erfolg!

Wann schreibt man auch mal:“Date gerade einen liebevollen Müllmann/Zeitungsboten/Arbeitslosen!“?

Und wenn die Freundinnen dann noch ihren teuren Verlobungsring hochhalten, ihre letzte vom Partner finanzierte Reise, die sündhaft teuren Geschenke präsentieren, als sei das alles der Beweis für irgendwas (aber sicher nicht mehr Liebe), fragte ich mich oft, wieso?

Wo besteht der Mangel? Teilen wir unsere Erfolge lieber als unsere Misserfolge? Hin und wieder. Bei all den Klagen die durch das Internet jaulen, darf man das aber in Frage stellen.

Wertet der Erfolg des anderen uns auf? Erhöht uns der andere? Sind wir selbst nicht in der Lage uns zu erhöhen?

Ich kann mir viele teure Dinge gar nicht erst leisten. Brauche ich deshalb einen Partner der das übernimmt? Und wo bleibe ich dann als Mensch in meiner Entwicklung? Geschenke sind schön. Kommen sie vom Herzen, ist ihr finanzieller Wert aber im Idealfall egal.

Wir sind fortschrittlich, stark, lebensbejahend und wollen uns behaupten. Wieso behaupten wir uns durch sowas wie den Status des Mannes?

Ich möchte auch nicht plötzlich weniger Wert sein, weil ich fünf Kilo zunehme oder Akne meinen Rücken zieren könnte. Wieso sollte der arbeitslose Mann sich geliebter fühlen, wenn ich ihn aussortiert habe, auf Grund dieses Umstandes?

Doppelmoral oder einfach Zufall?

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