UNGESCHÖNT

Heute hat mich eine Freundin gefragt, ob ich böse auf sie sei, weil ich ihr bereits seit Tagen auf WhatsApp eine Antwort auf die banale Frage „wie geht es dir?“ schuldig bin.

Ich antworte im Idealfall immer sehr schnell oder mindestens am selben Tag. Wie also konnte mir sowas passieren? Klar, es ist nicht dramatisch. Darum soll es hier nicht gehen. Eher um den Faktor „Vereinbarkeit trifft Anspruch“.

Hier meine Auflistung:

Stehe jeden Tag spätestens um sechs Uhr auf und mache mich fertig für den Tag.

Mache die Brote für die Kids (nicht immer, aber ab und an). Wecke sie dann, lasse sie in Ruhe essen.

Helfe beim Anziehen und unterstütze wo ich eben nochmal ran muss.

Bringe das kleine Kind zur Kita. Erinnere das große Kind an die Brote, die Zettel zur Unterschrift und seine Termine.

Gehe zur Arbeit/ins Studium.

Arbeite von 07:30 bis mindestens 16:30 Uhr. Heute ausnahmsweise Mal bis 19 Uhr, wegen eines Elternabends.

Was mache ich auf Arbeit?

Listen schreiben für ca. fünfzehn Klassen. Organisation für Feste (ich leite derzeit ein Zirkusprojekt, für eine Aufführung im Sommer), Ferienplanung, Teambesprechung, Unterstützung der LehrerInnen im Unterricht, Hilfe bei den Hausaufgaben, Vertretung der Kolleginnen, Begleitung in die ca. drei Kilometer weit entfernte Schwimmhalle (manchmal sechsmal am Tag), Bespaßen am Nachmittag, begleiten der Kids zum Essen, Kursangebot, Spiele und Aufsicht auf dem Spielplatz, Sportplatz oder beim Wandertag. Elterngespräch zwischen Tür und Angel und immer gute Laune haben, bitte.

Dann hole ich sehr hungrig und müde mein Kind aus der Kita ab. Wir gehen einkaufen, wir gehen Eis essen oder zu Freunden. Es ist dann 18 Uhr oder später.

Zu Hause erstmal Haushalt, während das Essen anbrennt und meine Kinder noch spielen wollen. Der Laptop wird vorsichtig hochgefahren, mit der Bitte Mal schnell in die Wanne zu dürfen nach dem Essen.

Danach lernen der Große und ich und ich lese dem kleinen Kind noch was vor, bevor es zu Bett geht. Ich lege die Sachen für den kommenden Tag raus und setze mich an meine Hausaufgaben. Zwischen zwei Tests und einem Referat im Monat, liegt der Schnitt. Ich bereite mich auf den kommenden Tag vor und organisiere von zu Hause auch schonmal die wichtigen Dinge für die Arbeit: Feste, Formalitäten, Unterstützung der Lehrkräfte. „Kannst du noch?“,ist ein oft gehörter Satz, der sich nicht auf mich bezieht, sondern auf die Bitte etwas dazwischen zu schieben.

Manchmal mache ich noch Sport. Ich will ja den Körper in Schuss halten, denn der Partner (nicht zu verwechseln mit Vater der Kids), muss mich ja auch noch mögen. Besucht er uns, unterhalten wir uns noch gerne oder so…

Manchmal bringt er Leid mit, manchmal ist ein Kind krank, manchmal vermisst ein Kind den Papa. Manchmal muss ich zu Elterngesprächen, wenn mein Kind Blödsinn macht. Manchmal muss ich Wäsche gegen 23 Uhr waschen, weil ich es vergessen habe. Manchmal muss ich am Wochenende zu Aufführungen meines Kindes oder am Nachmittag zum Amt oder Arzt und dafür Überstunden sammeln. Manchmal breche ich selbst krank zusammen, weil der Körper keine Maschine ist.

Manchmal höre ich blöde Sprüche“Selbst Schuld“ und manchmal denke ich genau das.

Es ist hart Alleinerziehende zu sein, aber auch mit Partner in einem Haushalt, wäre da noch die Extraportion Arbeit die mir jeden Tag entgegenschlägt, weil jeder denkt seine Aufgaben hätten oberste Priorität. Niemand sieht das Gesamte.

Niemand sieht den Menschen dahinter.

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