ANERKENNUNG ODER AUCH, WAS BIN ICH DIR WERT?

Jeder kennt das, sich nicht wertgeschätzt zu fühlen. Mal in der Arbeit, vielleicht auch in der Partnerschaft oder selbst hier, im großen Universum des Internets.

Jemand kritisiert vorschnell oder bombardiert mit Herablassung und Fehleinschätzungen. Ein Beispiel gefällig? Eine junge Mutter schreibt wie schwer es ist Alleinerziehende zu sein. Sie benennt ganz klar woran es ihr momentan mangelt und schiebt nach, wer dafür ihrer Meinung nach u.a. verantwortlich sein könnte. Sofort schließen sich den zumeist wohlwollenden Kommentaren, bitterböse RednerInnen an. Wieso sie sich beklagen würde? Der Staat macht ja schon so viel! In Pflege und Sozialberufen sei man eben ausgelastet usw.

Wer hat Recht? Beide!

Sie erzählt aus ihrer Perspektive. Sie berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und wünscht sich nichts anderes als Anerkennung und einen Blick auf sich und ihre Leistungen.

Die andere Seite wünscht sich im Grunde genau dasselbe. Bitte erkennt doch endlich an, dass Sozialarbeit nicht umsonst geleistet wird. Bitte erkennt die Unterbesetzung und Unterbezahlung an usw.

Beide Parteien blicken sich entrüstet an, obwohl sie genau das wollen, ihnen genau das fehlt, was dem anderen zusteht. Anerkennung für ihr Sein. Für ihren täglichen Kampf und ihr Überleben. Es gibt nicht den Schuldigen und es gibt nicht die eine Wahrheit. Unser System ist komplex. Politik ist komplex. Leben ist komplex.

Sich zu beklagen, weil es an jeder Ecke zu mangeln scheint, darf erlaubt sein. Psychohygiene nennt man das.

Anderes Beispiel, gleiche Ausgangssituation.

Fehlt mir in meiner Beziehung etwas oder neige ich dazu von Beziehung zu Beziehung zu torkeln, in einem Loop aus Enttäuschungen, suche ich den Fehler oft erstmal bei den anderen. Ich mache mein Schicksal dafür verantwortlich, dass mir einfach keine Wertschätzung entgegengebracht wird. Alle Männer sind Schweine, ruft es sich dann besonders leicht.

Betrachte ich mich aber selbst, stelle ich eventuell fest, dass da ein ganz anderer Wurm nagt. Habe ich meinen eigenen Wert je erkannt? Hat mir je jemand Wertschätzung entgegengebracht, möglichst seit jüngster Kindheit?

Ist da das Loch zu stopfen, welches sich genau genommen nicht mehr zu stopfen vermag?

Unsere Muster lassen sich oft in der Kindheit erkennen. Wenn wir nicht gelobt worden oder aber noch viel wichtiger, geliebt und entsprechend anerkannt worden sind, laufen wir Gefahr uns immer wieder genau nach dieser Bestätigung in Beziehung, Freundschaft und Job zu sehnen.

Wir buhlen als Erwachsene um jede Form der Bestätigung und frustrieren viel schneller, wenn eben genau das nicht kommt.

Wir sind Süchtige, Ertrinkende und finden kein Maß mehr für das, was uns ggf. längst zu Teil wurde. Es gibt kein ausreichend und nur noch mehr Liebe und Bestätigung füllen unser Glas auf.

Das zieht Energie. Bei den anderen..aber vor allem bei uns. Wir fordern mehr als andere zu erfüllen vermögen. Wir haben keine Empathie, sondern nur Selbstsucht in uns. Wir sind nicht fähig zu erkennen, dass es anderen wie uns geht und saugen und heulen und kratzen und leiden, in einer Endlosschleife.

Erkenne dich selbst und dann erkenne die anderen. So könnte es klappen.

Erkenne und mache es besser, wird außerdem heilen.

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