VOM STREITEN UND VERTRAGEN

Mit mir streitet es sich mittlerweile ganz schlecht. Oder sagen wir besser schwer.

War ich früher noch gut dabei, wenn jemand (i.d.R. der Partner) mir gegen den Strich ging, versuche ich mich heute mit einer großen Portion Achtsamkeit und Liebe durch das drohende Gespräch zu wurschteln.

Beziehungen leben ja mitunter von diesen Aufs und Abs und müssen sich für ihre Auslöser nicht mehr rechtfertigen. Sei es die offen gelassene Zahnpasta oder die nicht vorhandene Gerechtigkeit bei der Erziehung der Kinder, alles kann und darf zu Streit führen. Es gibt nichts, was unberitten blieb.

Nun ja, hier aber eben hat sich einiges in meiner Streitkultur verändert. Früher war ich aufbrausend und laut. Heute nehme ich es mir zu Herzen, wenn Streitpartner (oder sind es Gegner?) genau diese Wesenszüge an mir kritisierten. Ich überlege, bevor ich den Mund aufmache oder ziehe mich in mir zurück, so der andere es zulässt. Dennoch, auch ich verspüre manchmal den Wunsch noch aufzustampfen, zu schmollen, gar zu heulen.

Dann sitze ich in einer Ecke des Sofas und schaue aus dem Fenster. Schweigend natürlich. Man kann die Luft schneiden, so dick atme ich sie durch meine Nasenlöcher aus. Und dann wird auch maximal zweimal die Minute gezwinkert. Das ist meine Form der stillen Folter meines Gegenübers.

Wenn ich das ein paar Minuten ausgehalten habe – gut.

Leider oder zum Glück, kann ich aber auch schnell reflektieren wieso und weshalb wir uns in eben jener Situation wiederfinden und neige dann binnen weniger Minuten dazu alle Probleme aus der Welt schaffen zu wollen.

Ich nenne es das Große und Ganze sehen wollen. In einem Streit gibt es unter sich Liebenden einfach keine Gewinner oder Verlierer. Da sind zwei Parteien die einen Konflikt austragen und das nicht immer leise und besonnen. Ist es möglich sich zu versöhnen? Gut. Ist es das nicht? Warum nicht? Bin ich im Recht und habe noch den Hauch einer Chance dem anderen das aufs Brot zu schmieren? Los geht’s! Sollte ich mich aber irren und der ganze Kram ließe sich jetzt und hier klären, öffne ich mich wieder, komme hinter meiner kühlen Fassade hervor und sage „Neustart?“.

Es ist so anstrengend sich zu streiten und sich den Ruck zu geben hinter die Auslöser zu blicken, diese vielleicht als nichtig anzuerkennen und dem anderen damit wieder eine Chance einzuräumen, ist viel anstrengender. Ich weiß um jede Geste und jede Bemühung des Vergebens. Es ist einfach hart. Manchmal ist man so sehr im Recht, Aufgeben macht dann keinen Spaß. Manchmal ist der andere so nervraubend, man will einfach gar nicht mehr. Und manchmal ist der andere eigentlich noch dieselbe Person wie vor dem Streit und beide benötigen mindestens einen der das erkennt und diesen Gedanken zulassen kann.

Versöhn‘ ist schön.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s