DARW I (N) oder Darwin nicht

Gestern saßen meine Freundin und ich bei einem Weißwein in einer Strandbar und unterhielten uns über unsere Kinder. Ihre Tochter wird nächstes Jahr in die Schule kommen, mein ältester Sohn wird in einem Jahr auf die Oberschule wechseln.

Sie fragte mich, wohl weil ich selbst in einer Grundschule arbeite, was ihre Tochter von ihr noch alles mitbekommen müsste, um Lehrerinnen und ErzieherInnen den Arbeitsalltag zu erleichtern und ihr ggf. einen Bonus zu verschaffen.

Diese Frage höre ich in letzter Zeit so oder so ähnlich formuliert häufig. Es sind Eltern die ihre Kinder über alles lieben und sich ängstigen demnächst durchs Raster zu fallen.

Da wird bereits mit fünf die Uhr gelernt, der zweite Schwimmkurs absolviert, das Lieblingsinstrument die Geige gelehrt und wenn es passt, muss sich das Kind noch schnell irgendein außergewöhnliches Hobby aneignen.

Ich sage dann immer, den Po selbst abwischen und sich an-und auskleiden sind derzeit schwer angesagt in den ersten Klassen. Damit wäre uns Pädagogen geholfen.

Sie stutzte. „Na aber lesen und schreiben und ein paar Zahlen lernen? Was ist mit Schwimmen?“

Ja, alles nicht übel. Kann man mal machen. Man kann dem Kind aber auch heute schon einen Listenplatz für eine Therapie in fünfzehn Jahren reservieren und sich seelenruhig darauf gefasst machen, dass sie, die Eltern, dann lange thematisch durch den Reißwolf gezogen werden.

Versteht mich nicht falsch, alle Ambitionen in Ehren, aber Kindheit ist begrenzt und wenn ein Kind nicht aus intrinsischer Motivation handelt, sondern weil Mama und Papa es dazu nötigen und gängeln, tut man niemandem einen Gefallen.

Von der verfehlten Wirkung sprach ich außerdem. Kinder die nicht die gleichen Chancen hätten oder Eltern die es einfach locker nähmen, wurden in der Bewertung und Beurteilung der Pädagogen dann schnell mal durchfallen.

„Na ja, aber Darwin sagte schon ‚der Stärkere überlebt'“.

Autsch.

Unsere Kinder sollten nicht in stark und schwach und Überlebende und Nichtüberlebende eingeteilt werden. Sie sind nicht dafür da, uns etwas zu beweisen oder unsere Defizite gutzumachen.

Am Ende des Gesprächs versicherte ich ihr nochmals, sie täte sich und ihrem Kind den größten Gefallen, wenn sie einfach fragen würde „Was möchtest du gerne lernen oder erleben?“ um es dann auf seinem Weg zu begleiten.

Menschen sind nicht weniger liebenswert, nur weil sie kein Abitur haben oder drei Fremdsprachen sprechen. Und Menschen sind nicht weniger glücklich, weil sie erst mit acht die Uhr statt mit fünf Jahren gelernt hätten.

Amen.

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