ZUM MUTTERTAG ALLES GUTE

Als mir vor vielen Jahren von der besten Nachbarin der Welt empfohlen wurde zu bloggen („Du solltest schreiben….[Künstlerpause] einen Blog oder so.“), habe ich natürlich laut gelacht. Ich hatte bis dahin Facebook und Instagram durchgespielt und konnte auf Twittererfahrungen zurückblicken. Alles nicht so meins, alles bluthochdruckfördernd. Jetzt da ich aber Betablocker nehme und meine Therapiestunden fast abgebummelt, bin ich bereit mich der Bloggerszene zu öffnen.

Ihr seht schon wo das hinführt oder?

Ich bin alleinerziehende Mama von zweien. Irgendwann vor rund elf Jahren entschied ich mich für mein erstes Kind und nochmal sechs Jahre später für mein zweites. Zwischen beiden Entscheidungen liegen viele Tränen und wuchsen die Erfahrungen wie Unkraut. Kinder sind großartig. Ich arbeite sogar in einem Beruf mit Kindern und Jugendlichen und liebe es. Ich war nicht eine dieser Mütter, die schwanger auf dem Klodeckel ins Klopapier weinte und sich aufbauend zuraunte „alles wird gut“. Ich hatte schlicht und einfach keinen blassen Schimmer und war aufgeregt wir bolle. Kinder sind toll. Das spürte ich noch so in mir nach. Und selbst wenn jemand mich gewarnt hätte (haben einige Leute sogar), so wäre es mir sicher auch Wurst gewesen.

Kinder sind toll.

Und so stand gestern mein Großer vor mir und fragte, was ich mir eigentlich zum Muttertag wünsche. Ob ich ihm das Taschengeld aufstocken könne, weil er mir dann „was Richtiges“ kaufen will. Och nö, hab ich gedacht und sicher auch gesagt. Ich habe ja alles mehr oder weniger Brauchbare im Kleingeldbereich. Zahnbürste, Waschlotion, Müllbeutel…was sollte mir schon geschenkt werden? Klar, er könnte mir mit dem Talent das er mitbringt auch was malen. In der Regel malt er aber lieber ungezwungen und schenkt es mir dann sowieso.

„Mach du doch morgen einfach das Frühstück!“, schlug ich also vor. Große Augen in seinem Gesicht. Erwischt. „Na ja, da spare ich zumindest Geld.“, murmelte er. Ein richtiger Geschäftsmann.

Heute früh wachte ich auf, weil mein jüngster Mensch sich neben mir schon räkelte. Er war nachts nach einem Albtraum rübergekommen. Getragen habe ich ihn. Ich gebe es zu. Und er piekte mir ins Ohr und flüsterte meinen Namen („Mamaaa“) und ich wusste, er wusste nix vom Muttertag.

Also stand ich auf und trottete aufs Klo. Hörte aus der Küche um sieben Uhr morgens leises lautes Geklirre und freute mich auf mein Frühstück im Bett.

Eine Stunde später hörte ich es fluchen und jammern. Alles ging schief. Brötchen verbrannt und Kaffee statt zwei Teelöffel pro Tasse eben vier Esslöffel. Ich nahm mein Kind in den Arm und sagte:“Danke. Du hast mir gezeigt wie gut ich das immer so mache. Ein schönes Geschenk.“ Und er schmunzelte und schwitzte und war ein bisschen verlegen. Meinen Humor kennt er seit fast elf Jahren.

Wir sind zu dritt alleine. Wir brauchen keinen Muttertag oder einen anderen beliebigen Termin der zeigt was fehlt. Ich brauche manchmal das Gefühl, dass das was ich da leiste gut von mir geleistet wird. Und wenn es einfach nur aufploppt, indem es ohne mich schief geht.

Ich bin Feministin. Ich werde ihm zeigen wie der Kaffee und die Brötchen gelingen. Ich habe das über die Jahre versäumt. Er wird es lernen und irgendwann selbstverständlich Frühstück machen können, ohne einen Termin im Kalender dafür zu brauchen. Da bin ich mir sicher.

Denn er ist toll. Und alles was wir leisten, leisten wir gut genug. Glaube ich.

#erwachsenwerden #alleinerziehend #Muttertag

6 Kommentare zu „ZUM MUTTERTAG ALLES GUTE

    1. Da hast du aber eine Weile zu tun. Ich habe es versucht bereits kompakt in ein Büchlein zu kopieren und arbeite noch an der Aufbereitung. Vielleicht Anfang des kommenden Jahres…

      Gefällt 1 Person

      1. So…ich bin durch – und fühl mich erst einmal wie erschlagen. Zunächst einmal quantitativ. Wahnsinn, was du in gerade einmal einem halben Jahr an Content produziert hast. Und es sind durchgehend absolut durchdachte Worte, nichts, was sich unbedingt beim flüchtigen Drüberhuschen gleich erschließt.

        Ich habe beim Lesen sehr viel gelernt. Natürlich hauptsächlich über dich, aber – und das fand ich eine sehr überraschende Erfahrung – auch über mich. Vielleicht braucht es gelegentlich diese „Think!“-Anstöße von außen, um sich über ein paar Dinge klar zu werden. Über seine Rollen, seine Einstellungen zu diesem oder jenem – the life as a man in general. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Pass auf dich auf und schöne Weihnachten!

        Gefällt 1 Person

      2. Uiuiui. Da warst du aber fleißig. Alles gelesen? Na vielen lieben Dank. Auch für dein Feedback. Wie du nun siehst, mein Kopf ist ein Bienenstock. Mein Herz eine Biene. 😉 Schöne Weihnachten auch dir!

        Gefällt 1 Person

      3. Ich finde es übrigens viel schwerer lustige Geschichten zu schreiben. Obwohl ich generell ein totaler Quatschkopp bin und meine Anekdoten in der Realität ironisch und pointiert sind.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s